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Das perfekte Hobby: Die Schiedsrichter-Familie Oudshoorn aus Velbert

Gleich drei Mitglieder der Velberter Familie Oudshoorn sind regelmäßig an der Pfeife. Die Wochenenden können da Zuhause schon mal chaotisch werden.
11. September 2020 Schiedsrichter | Wuppertal / NiederbergText: Thomas Palapies-Ziehn
Das perfekte Hobby: Die Schiedsrichter-Familie Oudshoorn aus Velbert
Bildquelle: FVN
Schiedsrichter-Trio mit dem Nachnamen Oudshoorn: (von links) Vater Nico, Tochter Yvette und Sohn Leon.

Die Wochenenden bei Familie Oudshoorn aus Velbert können schon einmal chaotisch werden. Dialoge wie „Wo pfeifst Du am Sonntag? In Wuppertal! Kannst Du mich dann vorher noch zum Treffpunkt nach Heiligenhaus fahren? Geht nicht, ich fahre schon Deine Schwester nach Neviges!“ sind keine Seltenheit. Kein Wunder! Gleich drei Mitglieder der Familie Oudshoorn sind Schiedsrichter: Vater Nico (47), Sohn Leon (18) und Tochter Yvette (15) gehen – wenn der Ball nicht gerade wegen der Corona-Krise ruht - regelmäßig ihrem Hobby mit der Pfeife auf den Fußballplätzen am Niederrhein nach.

Nico Oudshoorn ist in seiner Familie, die in Velbert-Mitte wohnt, der „Ober-Schiedsrichter“. Vor rund elf Jahren, im Jahr 2009, absolvierte der angehende Industrie-Mechaniker im Kreis Wuppertal/Niederberg die Prüfung. „In meinem Verein Blau Weiß Langenberg war ich ab und zu eingesprungen, wenn mal ein Schiedsrichter kurzfristig nicht erschien. Dafür bekam ich häufig Lob und irgendwann mehrten sich die Stimmen, ich solle das mit der Schiedsrichterei doch intensivieren. Also habe ich mich im Kreis zum Lehrgang angemeldet.“

Seit seiner erfolgreichen Prüfung leitet Nico Oudshoorn hauptsächlich Spiele in der Kreisliga. Doch auch in der Halle, bei Futsal-Partien und -Turnieren, ist er - gerade in den Wintermonaten - aktiv. Was ist für ihn die besondere Herausforderung als Schiedsrichter? „Als Schiri hast Du eine Vorbildfunktion. Man muss stets sachlich bleiben und respektvoll mit allen Akteuren umgehen. Das verlangst Du als Schiedsrichte ja auch umgekehrt. Ab und an benötigt man- zugegeben - ein dickes Fell. Unter dem Strich macht es aber einen Riesenspaß, Schiedsrichter zu sein.“

Genau das haben irgendwann dann auch Nicos Sohn Leon und Tochter Yvette gemerkt, die ihren Vater schon als kleine Kinder oft auf den Sportplatz begleitet hatten und von außen zuschauten. „Das hat beide motiviert, es selbst zu versuchen“, erinnert sich Mutter Daniela (36) noch genau. Leon absolvierte seine Prüfung vor rund viereinhalb Jahren, Yvette ist seit knapp einem Jahr dabei. Sie erwarb den Schiedsrichter-Schein im Rahmen des ersten Lehrgangs ausschließlich für Mädchen und Frauen in der Sportschule Wedau in Duisburg im vergangenen Herbst. Seitdem hat sie ein halbes Dutzend Jugendspiele geleitet. Mehr Partien hat die lange Corona-Pause verhindert.

Bereits über mehr Erfahrung verfügt Leon Oudshoorn, der unter anderem in der B-Junioren-Leistungsklasse Begegnungen sowie neuerdings auch in der Kreisliga B pfeift. „Die Interaktion mit teilweise völlig unterschiedlichen Menschen ist eine Herausforderung, macht das Ganze aber auch so interessant“, sagt der Schüler, der schon einmal einen Schulkameraden mit „Rot“ vom Feld schicken musste. „Beste Freunde werden wir wohl jetzt nicht mehr“, lacht Leon Oudshoorn. „Mein Freundeskreis steht meinem Hobby insgesamt aber sehr positiv gegenüber. Schließlich formt es nicht zuletzt auch den Charakter.“

Vorbild von Leon Oudshoorn: Drittliga-Schiedsrichter Robin Braun.
(Foto: Getty Images)

Eines seiner schönsten Erlebnisse hatte Leon Oudshoorn bei einem Junioren-Hallenturnier mit der TSG Hoffenheim. Der Wimpel, den die Kraichgauer als Geschenk dabei hatten, bekam im Zimmer des jungen Velberter Schiedsrichters einen Ehrenplatz.

Nico Oudshoorn erinnert sich immer wieder gerne an ein Junioren-Turnier unter freiem Himmel in Wülfrath zurück. Teilnehmer waren unter anderem der KFC Uerdingen und der FC Schalke 04. „Einige Schiedsrichter und Assistenten mussten passen, weil sie kurzfristig krank geworden waren“, erzählt Nico Oudshoorn. „Wir mussten also improvisieren, konnten einige Spiele nicht wie ursprünglich vorgesehen mit einem Gespann besetzen. Ich erhielt viel Lob für meine Spielleitung ohne Assistenten. Das hat mich sehr stolz gemacht.“

Stolz war Vater Oudshoorn auch nach gemeinsamen Auftritten mit seinem Sohn. Nico stand auf dem Platz, Leon agierte an der Linie als Assistent. „Das hat stets gut geklappt“, sagt Nico Oudshoorn. „Im Vorfeld der Partien hatten wir bei der Besprechung eine Linie vereinbart, die jeder befolgt hat. Daher gab es auch keine Schwierigkeiten.“

Das „perfekte Spiel“ sieht für Leon Oudshoorn wie folgt aus: „Ein lockeres und faires Spiel, jede Entscheidung sitzt. Nach Abpfiff gehe ich mit einem guten Gefühl vom Feld.“ Nico Oudshoorn sieht das ähnlich: „Auf und neben dem Platz gibt es keinen Stress, die Entscheidungen von mir passen und nach der Partie gibt es vielleicht noch Lob von den Trainern.“

Yvette Oudshoorn arbeitet laut eigener Aussage noch daran, dass für sie „perfekte Spiel“ zu definieren. „So viele Einsätze hatte ich bisher ja noch nicht. Einige Unsicherheiten sind daher noch dabei. Wichtig ist, daraus zu lernen“, so die Schülerin.

Nicht nur für Nico Oudshoorn gehörte der Italiener Pierluigi Collina zu den besten Schiedsrichtern der Welt.
(Foto: Getty Images)

Bei der Frage nach ihren Vorbildern kommt die Antwort von Yvette Oudshoorn wie aus der Pistole geschossen. „Papa und Leon“, lässt sie ihren Vater und Bruder strahlen. Nico Oudshoorn kann sich bei Spielen des mittlerweile nicht mehr aktiven Top-Schiedsrichters Pierluigi Collina aus Italien am meisten abschauen und für Leon Oudshoorn ist der 24-jährige Robin Braun aus dem Kreis Wuppertal/Niederberg ein Vorbild. „Er hat es schon in jungen Jahren geschafft, in den Ligen aufzusteigen. Ich hätte sicher nichts dagegen, im Alter von 24 Jahren auch schon in der 3. Liga zu pfeifen.“

Die Leidenschaft für die Schiedsrichterei führt bei Familie Oudshoorn ab und zu für Diskussionen. Gerade bei Länderspielen, die meist gemeinsam von der Couch verfolgt werden, kann es nach strittigen Entscheidungen heiß hergehen. „Besonders mein Vater und Leon diskutieren solche Situationen kontrovers“, meint Yvette Oudshoorn. „Unser Hobby macht sich in solchen Situationen bemerkbar.“

Das gemeinsame Hobby der Oudshoorns musste in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie für mehrere Monate ruhen - für Nico, Leon und Yvette keine ganz einfache Zeit. „Wir haben das Pfeifen von Spielen sehr vermisst“, macht Vater Nico aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Gerade für die Kinder war es schwer, weil sie zusätzlich auch keine Schule hatten. Ich konnte die freie Zeit immerhin nutzen, um für meine Prüfung als Industrie-Mechaniker zu lernen und war so oft abgelenkt.“ Fit gehalten hat sich die Velberter Schiedsrichter-Familie, die bisher nicht mit einer Corona-Erkrankung zu kämpfen hatte, unter anderem mit Fußballspielen und gemeinsamen Laufeinheiten.

Seitdem im FVN-Verbandsgebiet die Freundschaftsspiele laufen, sind Nico, Leon und Yvette Oudshoorn auch wieder regelmäßig an der Pfeife. „Gerade die ersten Partien haben riesigen Spaß gemacht“, erinnert sich Nico Oudshoorn. „Wir sind alle froh, dass es jetzt wieder so richtig auch mit Pflichtspielen losgeht und hoffen darauf, dass wir nicht erneut eine Zwangspause einlegen müssen.“

In nicht allzu ferner Zukunft könnte sogar noch ein weiterer Schiedsrichter mit dem Namen Oudshoorn auf den Spielberichtsbögen am Niederrhein auftauchen. Neben Yvette und Leon haben die Oudshoorns mit Justin (13) noch einen weiteren Sohn. Und der will im kommenden Jahr den zentralen Neulings-Lehrgang in der Sportschule Wedau absolvieren und danach selbst pfeifen. Die Wochenenden bei Familie Oudshoorn aus Velbert würden dann wohl in Zukunft noch ein wenig chaotischer werden.


Dieser Text ist erstmals - ohne die Corona-Passagen - in der Ausgabe 1/2020 des FVN-Verbandsmagazins "FaN" erschienen.


 

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