Bundesliga-Schiedsrichter zu Gast

Außergewöhnlicher Abend mit Sascha Stegemann im Kreis Kempen/Krefeld

Der 35-Jährige nahm die Einladung nach Krefeld an und gab vor 140 Schiedsrichtern Einblicke in sein Leben als Profi: "Ein Gefühl wie Weihnachten".
23. Januar 2020 Schiedsrichter | Kempen / KrefeldText: Jupp Jüngermann/FVN
Außergewöhnlicher Abend mit Sascha Stegemann im Kreis Kempen/Krefeld
Bildquelle: Dirk Jochmann
FIFA-Schiedsrichter Sascha Stegemann (rechts) und Andreas Kotira, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Kempen/Krefeld.

Prominenter Gast beim Belehrungsabend der Schiedsrichter im Kreis Kempen/Krefeld: Mit Sascha Stegemann aus Niederkassel bei Bonn war ein Bundesliga-Schiedsrichter der Einladung des Kreisschiedsrichterausschusses unter dem Vorsitz von Andreas Kotira gefolgt. Gleiches galt für 140 Schiedsrichter, die zu diesem besonderen Abend in der Visaal-Event-Location in Krefeld gekommen waren.

Der 35-jährige Sascha Stegemann pfeift für den 1. FC Niederkassel aus dem Fußballverband Mittelrhein. Seit 2014 ist er in der Bundesliga unterwegs und hat dort bislang 78 Spiele geleitet. Seit dem Sommer 2019 ist er auch FIFA-Schiedsrichter.

Kreisschiedsrichterobmann Andreas Kotira (SV St. Tönis) sagte zur Begrüßung: „Es ist eine außergewöhnliche Versammlung, denn es ist unglaublich, dass es uns gelungen ist, einen FIFA-Schiedsrichter nach Krefeld zu holen“.

Stegemann gab zunächst einen Überblick über seinen Start als Schiedsrichter und das Leben als Bundesliga- und FIFA-Spielleiter. „Als Jugendlicher habe ich mit meinen Freunden auf dem Schulhof, auf der Straße und im Verein gekickt. In der D-Jugend kam dann der Jugendleiter auf uns zu und sagte, dass unser Verein Schiedsrichter benötigt. Als ich dann hörte, dass es 15 D-Mark Taschengeld gibt und man umsonst ins Stadion kommt, habe ich gesagt: Ich mache das.“ 

Das war im Jahr 1997. Mit 19 hatte Stegemann dann seine ersten Einsätze in der Kreisliga A und mit 20 ging es in die Bezirksliga. Zehn Jahre später, mit knapp 30 Jahren, gelang dem Diplom-Verwaltungswirt der Sprung in die Bundesliga. „Ich war aber kein Senkrechtstarter. Es muss auch nicht immer kometenhaft nach oben gehen. Verliert nie die Geduld, bleibt immer dabei“, riet er den teilweise noch jungen Zuhörern.


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Dann gab Stegemann einen Einblick in die Rolle des Schiedsrichters im Profifußball: „Fußball ist Volkssport, aber die Wahrnehmung des Schiedsrichters ist sehr speziell. Vieles hat sich gewandelt. Durch die Explosion der Fernsehgelder geht es immer mehr um Geld. Als Schiedsrichter stehst du im Rampenlicht und deine Entscheidungen haben eine riesige Tragweite. Der Zuschauer erfreut sich nur am Fußballspiel - und der Schiedsrichter wird nur bei Fehlern zum Thema“.

Danach sprach Stegemann über die Anforderungen und Eigenschaften sowie die Spielvorbereitung des Schiedsrichters im Profifußball. „Ernährung und Fitness sind sehr wichtig. Man braucht einen Physiotherapeuten und einen Trainer. Disziplin und Verzicht sind neben der körperlichen Fitness sehr wichtig“.

Seine Ansetzungen erhält ein Bundesligaschiedsrichter neun Tage vor einem Spiel. „Danach arbeite ich einen genauen Trainingsplan ab, damit ich samstags um 15.30 Uhr top-fit bin, denn es besteht ein Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und Fehlern bei der Spielleitung“, berichtet Stegemann.

Ein Schiedsrichter in der Bundesliga läuft zwischen zehn und zwölf Kilometer in einem Spiel, zieht etwa 30 Sprints an und absolviert um die 80 Tempoläufe pro Begegnung. Der Zeitaufwand für den Schiedsrichter ist inzwischen sehr groß. So sagt Stegemann: „Es ist ein enormes Zeitmanagement von Nöten. Arbeitgeber und Familie müssen da schon mitspielen. Alle Schiedsrichter in der Bundesliga haben ihre Arbeitszeit reduziert“.

Die Schiedsrichter in der 1. und 2. Bundesliga müssen immer einen Tag vor dem Spiel anreisen. „Oft werde ich von Freunden und Bekannten gefragt, warum ich mir das antue. Es ist für mich aber ein unbezahlbarer Gegenwert, wenn ich samstags als erster mit meinen Kollegen vor den Mannschaften mit den Einlaufkindern in ein vollbesetztes Stadion einlaufe. Das ist ein Gefühl wie Weihnachten und dafür lohnt sich der Aufwand“, sagt Stegemann, bevor er noch Autogrammkarten signierte.



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