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Über Niederrhein-Auswahl zum DFB-Debüt: Bruder Romel ist stolz auf Nicole Anyomi

Nicole Anyomi - einst SuS Krefeld, heute SGS Essen - hat ihr erstes Länderspiel absolviert. Ein Interview mit ihrem großem Bruder Romel vom TSV Meerbusch.
2. März 2021 Verbandsmeldungen | Wichtige MitteilungText: Heiko Buschmann
Über Niederrhein-Auswahl zum DFB-Debüt: Bruder Romel ist stolz auf Nicole Anyomi
Bildquelle: Getty Images, Michael Locke/TSV Meerbusch - Collage: DFB
Romel Anyomi (Bild rechts, rechts) über seine Schwester Nicole: "Wir haben in jeder freien Minute Fußball gespielt."

Es läuft die 61. Minute im Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Spiel gegen Belgien, als Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg auswechselt. Klara Bühl verlässt den Platz im Aachener Tivoli, für die Bayern-Akteurin kommt ein Neuling: Nicole Anyomi. Die junge Stürmerin der SGS Essen feierte beim 2:0-Sieg zum Auftakt des "Three Nations. One Goal"-Dreierturniers ihr Debüt für die DFB-Auswahl. Drei Tage später blieb die 21-Jährige beim 1:2 gegen die Niederlande ohne Einsatz. An beiden Abenden fieberte vor dem heimischen Fernseher fast die gesamte Familie mit. Darunter Romel Seena Anyomi, Nicoles älterer Bruder. Wir haben uns mit dem Abwehrspieler des Landesligisten TSV Meerbusch II über die steile Karriere seiner Schwester unterhalten.

Was ging bei Ihnen zu Hause ab, als Nicole am Sonntag gegen Belgien eingewechselt wurde?

Romel Anyomi: Wir waren alle sehr aufgeregt, meine Eltern und mein jüngerer Bruder Dennis. Nicole hat uns vorher schon gesagt, dass die Bundestrainerin angedeutet habe, dass sie gegen Belgien zu ihrem Debüt kommen würde. Dann haben wir die ganze Zeit gehofft und gewartet, wann es denn so weit sein würde. Als sie dann tatsächlich am Seitenrand stand und sich für die Einwechslung bereit gemacht hat, da stieg bei uns allen der Puls.

Sie selbst sagte später auf DFB-TV, dass sie total nervös gewesen sei und irgendwie versucht habe, cool zu bleiben. Dafür spielte sie ziemlich mutig auf, oder?

Anyomi: So ist sie halt. Wenn sie auf dem Platz ist, geht die Anspannung schnell weg und sie versucht, alles aus sich herauszuholen. Ich finde, sie hat es gut gemacht und in den 30 Minuten gezeigt, was sie draufhat. Wir haben vor dem Fernseher natürlich bei jedem Ballkontakt mitgefiebert und waren glücklich, dass alles so gut gelaufen ist und Deutschland gewonnen hat.

Nicole Anyomi im Einsatz für die Niederrhein-Auswahl in der Sportschule Wedau. (Foto: Getty Images)

Hatten Sie nach dem Abpfiff Kontakt zu Ihr?

Anyomi: Ja, wir haben uns erst über WhatsApp geschrieben und uns dann noch über Facetime unterhalten. Sie war sehr aufgekratzt, aber das ist ja klar nach so einem Erlebnis.

Die beiden Partien fanden in Aachen beziehungsweise Venlo statt, also nicht weit von Krefeld, wo Sie wohnen. Da wäre man als Bruder doch gerne dabei gewesen, oder?

Anyomi: Auf jeden Fall! Wir wären gerne mit der gesamten Familie dahingefahren, wenn Zuschauer erlaubt gewesen wären. Aber das ist wegen Corona ja im Moment leider nicht möglich.

Eigentlich sollte Ihre Premiere für die DFB-Auswahl schon im Oktober gegen England stattfinden, das Duell wurde dann aber wegen Corona abgesagt.

Anyomi: Das war sehr schade, denn wir alle hatten uns schon darauf gefreut, sie im deutschen Trikot auflaufen zu sehen. Umso schöner, dass es jetzt geklappt hat. Leider ist dafür auch die U 20-WM in Costa Rica ausgefallen, das wäre für sie auch ein großes Highlight gewesen.

Am Mittwoch gegen die Niederlande blieb Ihrer Schwester dann ein weiterer Einsatz verwehrt. Ist der große Bruder enttäuscht?

Anyomi: Nein, es war doch nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Nici auch in diesem Spiel wieder ihre Einsatzminuten kriegen würde. Die nächsten Länderspiele kommen bestimmt, und wenn sie im Verein weiterhin ihre Leistungen bringt, wird sie sicherlich wieder eine Chance bekommen.

Nicole Anyomi mit Bettina Wiegmann. (Foto: Getty Images)

War Nicole schon als kleines Mädchen so gut, dass man damit rechnen konnte, sie würde es im Fußball weit bringen?

Anyomi: Spätestens als sie zum ersten Mal in die Niederrheinauswahl berufen wurde, haben wir schon gedacht, dass aus ihr mal etwas wird. Sie war schon als Kind sehr gut und konnte immer locker bei den Jungs mithalten. Wir haben in jeder freien Minute Fußball gespielt. Ob zu Hause im Wohnzimmer, wo wir natürlich meistens Ärger von unseren Eltern bekommen haben (lacht), oder auf dem Spiel- oder Bolzplatz. Jetzt ist sie in der Nationalmannschaft angekommen. Wahnsinn!

Sie hingegen sind beim TSV Meerbusch einen Schritt zurückgegangen, von der ersten Mannschaft in der Oberliga in die Landesliga-Reserve. Warum?

Anyomi: Das hat zwei Gründe. Einerseits wollte ich mehr Einsatzzeit, die habe ich in der zweiten Mannschaft erhalten. Außerdem bin ich in der Schlussphase meiner Ausbildung zum Industriemechaniker, das hat momentan Vorrang, im März steht die Abschlussprüfung an. Ich habe mir früher auch wenig Gedanken über Karriere oder so etwas gemacht, sondern wollte immer nur spielen. Von daher ist die lange Zeit ohne Fußball schwer, ich vermisse die Jungs und das Mannschaftstraining, aber das geht ja nicht nur mir so. Und auch wenn ich sehr gerne meiner Schwester beim Kicken zusehe: Hoffentlich können wir auch bald wieder auf den Platz.

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