Schiedsrichter

Schiedsrichter ohne Fußballaktivität

Was machen Schiedsrichter in der fußballfreien Zeit?
2. April 2020 Schiedsrichter | Kempen / KrefeldText: Josef Hermanns
Schiedsrichter ohne Fußballaktivität
Bildquelle: Rheinische Post

Da seit dem 12. März 2020 auch im Amateurfußball der Spielbetrieb wegen der Ausbreitung des Corona-Virus ruht, können die Schiedsrichter des Fußballkreises Kempen-Krefeld ihre Pfeife bis mindestens Ende April im Schrank lassen. Für ihren Chef, dem Kreisschiedsrichter-Obmann Andreas Kotira (SV St. Tönis), ist es im Augenblick so wie in der Sommerpause. „ Montags sitze ich nach einem Spielwochenende immer drei bis vier Stunden am Telefon, um mit Staffelleitern oder Schiedsrichtern über Besonderheiten des Spielwochenendes zu sprechen, das entfällt jetzt. Noch höre ich auch wenig von unseren Schiedsrichtern, wenn aber die Pause noch länger dauert, überkommt dem einen oder anderen sicher der Lagerkoller“, sagt Kotira.

Die RP hat sich umgehört, wie einige Schiedsrichter mit der Zwangspause umgehen. Die talentierte Lena Mertens (TSV Boisheim) sagt: „Ich versuche mich mit Home-Work und einigen Laufeinheiten fit zu halten für die Zeit, wenn es vielleicht mal wieder losgeht“. Mertens absolviert in Mönchenglad-bach eine Ausbildung zur Polizeikommissarin und will sich nun verstärkt auf ihre Prüfung, die noch in diesem Jahr ansteht, vor - bereiten. „Ich bleibe jetzt viel zu Hause und schaue, dass ich nur mit wenigen Menschen in Kontakt komme. Es ist keine schöne Zeit, es sind auch viele Fragen offen wie es jetzt weitergeht. Das Pfeifen am Wochenende fehlt mir aber sehr“, sagt Mertens. Die 22jährige, die seit Sommer 2019 auch bei den Herren in der Landesliga pfeift, meint zu den Geisterspielen in der Bundesliga: „Ich habe mir die Partie zwischen Borussia Mönchenglad-bach und dem 1. FC Köln im Fernsehen angeschaut. Mir ist dabei auf-gefallen, dass Schiedsrichter Boris Aytekin wenig zu tun hatte. Es gab kaum Fouls und man hat selbst im Fernsehen jeden Ballkontakt gehört. Für mich gehören Zuschauer zum Fußball, ich kann mir Spiele ohne Fans nicht vorstellen. Wenn sich dann auch noch die Anhänger vor dem Stadion treffen, ist das natürlich kontraproduktiv. Man sollte dann besser nicht spielen, denn die Gesundheit geht vor“.

Jan Stumpe vom SV Oppum ist mit 115 Einsätzen im Jahr 2019 so et-was wie der „Rekordmann“ im hiesigen Fußballkreis. Am Sonntag, dem 1. März war er noch gleich zweimal im Einsatz. Vormittags als Schiedsrichterassistent in der A-Junioren-Niederrheinliga beim Spiel VFB Hilden gegen Rot-Weiß Essen und um 15 Uhr leitete er das B-Ligaspiel zwischen dem VFR Fischeln 3. und Hellas Krefeld 2. Stumpe, der seit 2015 Schiedsrichter ist und in Essen Chemie und Informatik fürs Lehramt studiert, muss sich neben der Zwangspause im Fußball auch mit den verlängerten Semesterferien arrangieren. „Ich wohne ja noch zu Hause und streiche das Haus meiner Eltern. Abends schaue ich dann im Internet ein paar Filme oder gehe im Park jog-gen, ansonsten kann man ja nicht viel machen. Insgesamt sind die vorgegebenen Schritte aber richtig. Mir fällt auf, dass man in den Geschäften einige Artikel nicht mehr bekommt. Dass einige Leute noch Corona-Partys feiern, finde ich unmöglich“, sagt Stumpe. Der 19jährige hofft natürlich, dass es bald wieder losgeht. „Rea-listisch gesehen sind wir aber noch weit davon entfernt“.

Franz-Josef Haybach (RSG Verberg/Gartenstadt) ist im hiesigen Fußballkreis als Schiedsrichter ein Urgestein. Der Ruheständler der LVA-Rheinprovinz ist seit 1981 als „Schwarzkittel“ aktiv und blickt im kommenden Jahr auf 40 Jahre Schiedsrichtertätigkeit zu-rück. Von 1985 bis 1995 war er auch in der Landesliga aktiv. Er sagt: „Ich langweile mich schon an den Wochenenden. Aber in so einer ernsten Lage rücken Fußball und Hobby erst mal ganz weit weg. Ich hoffe, dass die Situation nicht zu lange andauert, aber von heute auf morgen wird es nicht vorbei sein. Ich schlafe jetzt auch am Wochen-ende länger, kümmere mich um die Gartenarbeit und mache kleinere Reparaturen am Haus. Fit halte ich mich mit Spaziergängen und alle Erledigungen mache ich mit dem Fahrrad“, sagt der 70jährige. Haybach, der noch am 8. März die B-Ligabegegnung zwischen Spiel & Sport Krefeld und VFR Fischeln 3. geleitet hat, denkt auch an die Unsicherheit bei den Vereinen: „Ich hoffe, dass alle in vier bis sechs Wochen Klarheit haben, ob und wie es weitergeht. Die bis jetzt getroffenen Maßnahmen beurteile ich positiv“. Er selber brennt förmlich darauf wieder die Pfeife aus dem Schrank zu holen und mit seiner ruhigen und besonnene Art die Fußballer nach der Selbigen „tanzen zu lassen“ indem er anfügt: „Ich hoffe, dass ich bald wieder meinem Hobby nachgehen kann, alleine schon wegen der Bewegung, denn mein Körper braucht die Bewegung“.

Erschienen am 2. April 2020 in der Rheinischen Post Lokalsport Krefeld/Viersen

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