Ehrenamt

Ausgezeichnet: Uni-Professor trainiert Kinder beim BV Altenessen

Für sein ehrenamtliches Engagement in der Nachwuchsförderung erhielt Frank Striewe den TalentAward Ruhr.
12. Januar 2020 Allgemein | EssenText: Heiko Buschmann - Fotos: TalentAward Ruhr
Ausgezeichnet: Uni-Professor trainiert Kinder beim BV Altenessen
Bildquelle: TalentAward Ruhr
Engagiert sich beim BV Altenessen 06: Professor Frank Striewe.

Ein Montagnachmittag in Essen-Altenessen. Auf dem schmucken Kunstrasenplatz an der Stankeitstraße mit Blick auf den nahen Kaiserpark spielen die Kids fröhlich Fußball. Trotz der vielen Vereine auch hier im Essener Norden ist das keine Selbstverständlichkeit, denn der BV Altenessen 06, der als einer Klubs die Anlage nutzt, muss etwas gegen seinen schlechten Ruf tun.

Im Jahr 2009 wird der BVA für seine vorbildliche völkerverbindende Ausrichtung noch mit dem Integrationspreis des DFB geehrt. Zwischenzeitlich und auch aktuell aber gerät der Verein wegen einiger unschöner Vorfälle auf dem Platz negativ in die Schlagzeilen.

Nun aber erhält ein Altenessener einen Preis, der auf den ersten Blick so gar nicht in diese Gegend – ein sogenannter sozialer Brennpunkt mit hohem Ausländeranteil und vielen heruntergekommenen Ecken – passen will: Professor Doktor Frank Striewe, Dozent für Technische Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Münster. Der 49-Jährige ist allerdings ein waschechter Altenessener Junge. Vom TalentAward Ruhr ist er als als herausragendes Beispiel für die Nachwuchsförderung im Ruhrgebiet ausgezeichnet worden.

Im folgenden Interview erklärt der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, was ihn zu seinem außergewöhnlichen Engagement antreibt.

Herr Striewe, was haben Sie mit dem BV Altenessen 06 zu tun?
Prof. Dr. Frank Striewe: Ich bin in Altenessen aufgewachsen und habe in der Jugend zunächst beim BVA gekickt. Das war ja damals ein sehr angesehener Verein, dessen erste Mannschaft noch in der Verbands- und Landesliga gespielt hat.

Das ist schon etwas länger her. Warum sind Sie jetzt zu Ihren Wurzeln zurückgekehrt?
Striewe: Das hat mehrere Gründe. Erstens lebe ich mit meiner Familie immer noch in Altenessen – und das sehr gerne, obwohl der Stadtteile Probleme hat. Nachdem ich in der Jugend noch kurz beim Otto-Rehhagel-Klub TuS Helene Essen und beim inzwischen nicht mehr existierenden VfB Borbeck gespielt habe, war ich nach dem Übergang von den Junioren in den Herrenfußball nur noch etwa eineinhalb Jahre beim BVA. Dann habe ich mich während meines Studiums einfach für andere Dinge als für Fußball interessiert, nur noch privat gelegentlich mit Kumpels gekickt und somit auch den Kontakt zum Verein verloren. Erst als mein Sohn Cord zur Welt kam und dann, als Deutschland 2014 Weltmeister geworden ist, auch Fußball spielen wollte, ging das wieder los.

Wie so viele Väter, wollten Sie Ihren Jungen trainieren...
Striewe: Das habe ich zwar gemacht, war aber nicht mein Antrieb, mich beim BV Altenessen zu engagieren.

Sondern?
Striewe: Der Verein hatte zu der Zeit ja wegen verschiedener nicht akzeptabler Vorfälle auf dem Platz, die vor allem die erste Mannschaft betrafen, einen sehr schlechten Ruf. Ich habe zu der Zeit schon wieder in den Alten Herren des BVA gekickt und wollte etwas dagegen tun, dass man nur mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird. Bei allen unschönen Berichten von wegen 'Prügelklub' darf man ja nicht vergessen, welche gesellschaftliche Leistung der Verein vollbracht hat.

Zum Beispiel?
Striewe: In Altenessen leben Menschen aus vielen verschiedenen Nationen. Ein Teil dieser interessiert sich für Fußball, daher ist es schöne integrative Aufgabe eines Vereins, diesen Menschen eine Anlaufstelle zu bieten. Mit der Haltung, wenn man nichts macht, hat man auch keine Probleme, kann ich nämlich nichts anfangen. Wenn man im Essener Norden lebt, muss man den Leuten eine Perspektive geben, sonst wird das nichts. Dann kam 2015 auch noch die Flüchtlingswelle, und der BVA hat etliche junge Menschen, die in ihrer Heimat alles hinter sich lassen mussten, gerne in seiner Mitte aufgenommen. Zwischenzeitlich hatten wir drei Teams mit Neuankömmlingen.

Frank Striewe wurde als herausragendes Beispiel für Nachwuchsförderung mit dem TalentAward Ruhr ausgezeichnet.

Was haben Sie genau gemacht, Sie sind ja jetzt für besondere Nachwuchsarbeit geehrt worden?
Striewe: Weil vor ein paar Jahren die Jugendarbeit ziemlich auf dem Boden lag, bin ich Jugendleiter geworden. Da es keine richtige Verbindung zwischen der Nachwuchs- und der Seniorenabteilung gab, habe ich mich zunächst um die Kleinsten gekümmert und ein Bambini-Training angeboten. Zu der Zeit hatten wir nur eine Mannschaft, in der von fünf bis zehn Jahren alle Kinder in einer Mannschaft gespielt haben. Unser Trainer Ercan Ayas hat einen tollen Job gemacht, aber die Altersspanne ist da einfach zu groß, und dann gibt es Probleme. Außerdem habe ich versucht, die Eltern mehr einzuspannen und in Schulen sowie Kindergärten auf den BVA und seine Angebote aufmerksam zu machen.

Sie haben auch Kontakte in Ihre akademischen Zirkel spielen lassen...
Striewe: Unser kostenloses Fußballcamp in den Oster- und Herbstferien, eine Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und der Anneliese-Brost-Stiftung. Das ist eine schöne Sache. Die Kinder spielen nicht nur Fußball, sondern erlernen von den Lehramtsstudenten auch spielerisch Sprach- und Sozialkompetenzen und beschäftigen sich mit gesunder Ernährung.

Wie sieht die Jugendabteilung des BVA heute aus?
Striewe: Besser (lacht)! Wir haben insgesamt zwölf Teams im Spielbetrieb, darunter sieben im Nachwuchsbereich. Jeder Altersklasse ist von den Bambinis bis zur C-Jugend besetzt.

Und dann kommt die inzwischen vom Verein komplett abgemeldete zweite Mannschaft und macht mit einer üblen Attacke auf einen Schiedsrichter all Ihre Mühen zunichte.
Striewe: Das ist sicher nicht hilfreich und hat dem Verein jetzt wieder sehr negative Schlagzeilen gebracht. Ich hoffe nur, dass man den BV Altenessen 06 nicht wieder nur mit solchen Vorfällen in Verbindung bringt und unsere vielen tollen Projekte dabei untergehen.

Dieser Text ist am 22. November 2019 zuerst auf NRZ.de erschienen.

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