Drei Spielzeiten in der Bundesliga, UEFA Cup-Teilnahme 1973/1974 und dazu noch insgesamt sieben Jahre in der 2. Bundesliga: Die Oberliga Niederrhein ist in der Saison 2026/2027 um einen attraktiven Verein mit großer Vergangenheit reicher. Der Wuppertaler SV gehört nach dem Abstieg aus der Regionalliga West zum Teilnehmerfeld der fünfthöchsten Spielklasse.
Zuletzt waren die Wuppertaler in der Saison 2015/2016 in der Oberliga Niederrhein am Start, nach dem sich der Klub im Sommer 2013 im Rahmen eines Insolvenzverfahrens aus der Regionalliga zurückgezogen hatte. Nach der Rückkehr in die vierthöchste Liga hatte sich der WSV dort zwischenzeitlich zu einem Team der Spitzengruppe entwickelt, bis der inzwischen verstorbene langjährige Förderer und Ex-Präsident Friedhelm Runge nach dem dritten Platz in der Saison 2023/2024 ankündigte, das Engagement deutlich zu reduzieren.
Die Spielzeit 2024/2025 beendete der Wuppertaler SV noch mit sechs Punkten Vorsprung auf die Gefahrenzone auf Rang 13. Zuletzt fehlten allerdings drei Punkte auf den SC Wiedenbrück für den Klassenverbleib. Die nun anstehende Saison in der Oberliga Niederrhein gleicht einem kompletten Neustart. Mit Tim Schneider holte sich der Verein allerdings einen Trainer ins Boot, der in der Spielklasse bereits sehr erfolgreich gearbeitet hat. Der 44-Jährige führte in der zurückliegenden Saison den VfB 03 Hilden zum Meistertitel und damit zum erstmaligen Aufstieg in die Regionalliga West, ehe sich die Wege zum Vertragsende trennten.
"Die Oberliga Niederrhein zeichnet vor allem aus, dass sie von Jahr zu Jahr unberechenbarer wird", erklärt Schneider, der bereits seit Sommer 2020 als Cheftrainer in der Spielklasse tätig ist. “In der letzten Saison war es relativ ausgeglichen. Die Leute haben es dabei nicht immer verstanden, wenn man auf Platz zwei liegend gegen den 17. spielt und sich schwer tut, knapp gewinnt oder sogar auch verliert. Solche Ergebnisse waren aber immer möglich. Jetzt in der neuen Saison wird es - glaube ich - eine der krassesten Oberliga-Saisons aller Zeiten. Ich bin jetzt schon eine Weile dabei. Aber von den Namen her ist die Oberliga sehr prominent besetzt.”
Bei der Suche nach dem neuen Trainer war bei den Bergischen auch ein neuer Sportvorstand bereits eingebunden. Lennart Strufe trägt als Nachfolger des früherem Sportlichen Leiters und Ex-Profis Gaetano Manno nun die sportliche Gesamtverantwortung beim WSV. Der 37-Jährige, der im Nachwuchsbereich selbst für die Wuppertaler am Ball war, arbeitete zuletzt als Scout beim 1. FC Köln. Weitere Stationen waren die TSG Hoffenheim (Administrativer Leiter der Fußballschule) und der SSV Jahn Regensburg (Kaderplaner und Koordinator Scouting).

Auch im Vorstand des Klubs, der neu zusammengestellt wurde, sowie beim spielenden Personal gab es zahlreiche Veränderungen. Aus dem Aufgebot der Regionalliga West sind mit Torhüter Fotios Adamidis (19), Innenverteidiger Kilian Bielitza (21), Rechtsverteidiger Subaru Nishimura (23) und Mittelfeldspieler Semir Saric (28) gerade einmal vier Spieler übrig geblieben. Bereits auf eine WSV-Vergangenheit können jedoch die Zugänge Felix Herzenbruch (Innenverteidiger, 33, SSVg Velbert) - für den es gleich am 1. Spieltag (Sonntag, 16. August, ab 15 Uhr) zum schnellen Wiedersehen mit seinem Ex-Klub kommt - und Maurice Horn (Torhüter, 27, FC Remscheid) zurückblicken.
Der gebürtige Wuppertaler Yussuf Ayinla (Rechtsverteidiger, 24, VfB Homberg) hat die meiste Erfahrung in der Oberliga Niederrhein (113 Einsätze) gesammelt. Die fünfthöchste deutsche Spielklasse - wenn auch in Westfalen - kennen Innenverteidiger Serhat Kacmaz (Innenverteidiger, 25, SG Wattenscheid 09), Dario Biancardi (Mittelfeldspieler, 24, SpVgg Erkenschwick) und Eren Albayrak (Stürmer, 23, SG Finnentrop/Bamenohl) besonders gut.
Einen im Fußball bekannten Namen trägt Jaden Korzynietz. Der 21-Jährige ist der Sohn von Ex-Profi Bernd Korzynietz, der als Rechtsverteidiger unter anderem für Borussia Mönchengladbach und den MSV Duisburg 169 Bundesliga-Spiele und 86 Partien in der 2. Bundesliga bestritten hat. Jaden Korzynietz ist Linksverteidiger und landete über die zweiten Mannschaften von Eintracht Frankfurt und dem VfL Bochum in Wuppertal.
"Wir sind grundsätzlich zufrieden mit der Vorbereitung", beurteilt Schneider die ersten Wochen. “Aufgrund der Gegebenheiten konnten wir erst relativ spät mit der Kaderplanung anfangen. Dafür haben wir es in den Spielen schon recht ordentlich gemacht und einen Großteil des Kaders zusammen. Dass, was wir uns bisher erarbeitet haben, gilt es zu festigen. Also Lösungen im Spielaufbau zu finden und in der Arbeit gegen den Ball unser Pressing-Verhalten zu verinnerlichen.”
Als einer von drei Absteigern aus der Regionalliga West will der Wuppertaler SV sich zunächst vor allem in der neuen Spielklasse zurückfinden. "Von Fan-Seite und im Umfeld kann eine gewisse Erwartungshaltung natürlich da sein", so Schneider. “Intern sprechen wir aber eine Sprache. Es geht jetzt erst einmal darum, sich zu konsolidieren und den Neuanfang zu bewältigen. Dabei ist uns allen klar, dass nicht alles immer funktionieren wird und es auch durchaus sein kann, dass wir mal was auf die Nuss bekommen. Es ist ein Neuanfang mit allen Aspekten. Aber ich merke, wie alle an einem Strang ziehen - vom Ehrenamtler über den Vorstand, den Verwaltungsrat bis hin zu den Spielern und dem Trainerstab. Und das gibt mir ein gutes Gefühl.”
Was es benötigt, um in der Oberliga Niederrhein erfolgreich zu sein, weiß der 44-Jährige als amtierender Meistertrainer. “Man muss nicht nur eine klare Spielidee haben. Es braucht auch Zusammenhalt auf und neben dem Platz. Das Kollektiv muss definitiv stimmen. Da spreche ich aus meiner Erfahrung aus der letzten Saison, in der wir mit dem VfB Hilden etwas geschafft haben, womit wohl nur die wenigsten gerechnet hätten. Vor allem, nachdem wir nach der Hinrunde zwischendurch elf Punkte zurück waren. Aber wir haben zusammengehalten.”
Erstmals um Punkte geht es für den Wuppertaler SV am Sonntag, 16. August, ab 15 Uhr, bei Mitabsteiger SSVg Velbert. "Das Team ist - so gut es ging – zusammengeblieben. Gleiches gilt auch für die U 23 von Fortuna Düsseldorf", sieht Schneider bei den Mitabsteigern mehr Kontinuität im Kader, nennt aber auch noch andere Titelaspiranten: “Ratingen 04/19 will nach der Vizemeisterschaft nun aufsteigen und die SpVg Schonnebeck auch mal wieder ein Wörtchen mitreden. Es ist viel Potenzial in dieser Liga.”
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