Oberliga Niederrhein

Neu in der Oberliga Niederrhein: "Trainer wider Willen" führt SV Scherpenberg zur Fünftliga-Premiere

Sven Schützek und sein Team empfangen zum Oberliga-Auftakt am Freitag, 14. August, den ETB Schwarz-Weiß Essen.
3. August 2026 Herrenfußball | GlobalText: MSPW
Neu in der Oberliga Niederrhein:
Bildquelle: SV Scherpenberg
Der SV Scherpenberg machte am letzten Landesliga-Spieltag der Saison 2025/2026 den Aufstieg klar.

"Die Jungs sind extrem heiß!" So bewertet der Cheftrainer und Sportliche Leiter Sven Schützek die Vorfreude beim SV Scherpenberg auf die bevorstehende Saison 2026/2027 in der Oberliga Niederrhein. Der Verein aus dem gleichnamigen Stadtteil von Moers geht nach einem Herzschlagfinale im Fernduell mit dem SV Budberg als Meister der Landesliga Gruppe 2 nun erstmals in der Vereinsgeschichte in der höchsten Spielklasse des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) an den Start.

Dramatischer hätte der letzte Spieltag in der zurückliegenden Saison kaum verlaufen können. Der schon zuvor punktgleiche SV Budberg gewann nach einem 0:2-Rückstand gegen Viktoria Goch am Ende noch 6:2. Gleichzeitig war der SV Scherpenberg zu Hause gegen den bereits feststehenden Absteiger PSV Wesel-Lackhausen gefordert. Eigentlich sollte es eine klare Sache werden, doch nach dem überraschenden 3:3-Ausgleichstreffer der Gäste machte der SVS erst in der Nachspielzeit mit zwei Toren den historischen Oberliga-Aufstieg perfekt. Zwar war die Tordifferenz der Budberger am Ende um sechs Treffer besser. Für Scherpenberg sprach jedoch nach zwei Siegen (2:0 und 1:0) der direkte Vergleich, der schließlich den Ausschlag gab.

"Wir haben schon während der Saison viele Spiele noch in der Schlussphase gewonnen. Aber einen solchen Spielverlauf hätte ich am letzten Spieltag nicht gebraucht", schmunzelt Schützek. "Was wir geleistet haben, ist unfassbar. Keiner hatte uns das zugetraut, weil wir mit extrem vielen Widrigkeiten zu kämpfen hatten", so der 49-Jährige, der einst als Torhüter 21 Länderspiele für die Bundeswehrauswahl absolvierte und dabei unter anderem mit den Ex-Profis Marcus Steegmann (heute Direktor Profifußball bei Rot-Weiss Essen), Jermaine Jones (zuletzt Trainer beim 1. FC Schweinfurt 05) und Christoph Preuß (Leiter Lizenzbereich Eintracht Frankfurt) zusammengespielt hatte.

Fußball-Boss Kay Bartkowiak hatte Sven Schützek 2024 als Sportlichen Leiter zum SV Scherpenberg geholt. Schützek sollte den Verein strukturell und bei der Kaderplanung auf einen möglichen Aufstieg in die Oberliga vorbereiten.

Mit acht Punkten aus den ersten fünf Partien kam der SVS in der zurückliegenden Spielzeit jedoch nicht optimal aus den Startlöchern. Als das Team dann am 6. Spieltag beim SV Viktoria Goch 0:5 unterlag, zog der Verein die Reißleine, trennte sich von Trainer und Ex-Profi Christian Mikolajczak. "Wir waren von der Mannschaft überzeugt, haben aber keine Weiterentwicklung mehr festgestellt", erinnert sich Schützek, der danach den klaren Auftrag erhielt, sich nach einem neuen Trainer umzuschauen. Zunächst musste Schützek jedoch als Interimstrainer einspringen, feierte mit dem 2:0-Heimsieg gegen den SV Budberg, der später noch sehr wichtig werden sollte, ein gelungenes Debüt.

"Mein Wechsel auf die Trainerbank war auch mit einem Risiko verbunden. Bei einer Niederlage wäre der Trainerwechsel verpufft. Doch durch den Sieg haben wir unglaubliches Selbstvertrauen getankt und danach eine gigantische Serie hingelegt", sagt der Unternehmer, der mit seiner Familie in Moers lebt. Bis zum Ende der Hinrunde verlor der SVS kein Spiel mehr und überwinterte als Tabellenzweiter - drei Punkte hinter dem VfB Bottrop, der die Saison schließlich nur auf Rang fünf beendete.

In der Winterpause sollte dann eigentlich der geplante Trainerwechsel erfolgen, doch die Mannschaft wollte mit Schützek bis zum Saisonende weiterarbeiten. "Keiner hat im Winter damit gerechnet, dass unser Lauf bis zum Saisonende anhalten könnte", so Schützek. Das Team folgte dem "Trainer wider Willen", glaubte an seine Ideen und kämpfte erfolgreich für den großen Oberliga-Traum. Unter Schützeks Leitung holte der SV Scherpenberg 2,3 Punkte pro Spiel, machte mit 19 Siegen, fünf Remis und nur drei Niederlagen den Aufstieg perfekt.

Seit dem 29. Juni bereitet sich das Team nun auf die neuen Aufgaben in der Oberliga vor, nach wie vor mit Sven Schützek an der Seitenlinie. Seine Meisterschaftsspiele wird der SV Scherpenberg weiterhin beim Nachbarn TV Asberg auf Kunstrasen ausgetragen, da die eigene Platzanlage, die inmitten in einem kleinen Wäldchen liegt, nur über einen Aschenplatz verfügt.

Das erste "Risiko-Heimspiel" findet am 9. Spieltag gegen den Wuppertaler SV (Sonntag, 11. Oktober) statt. "In Absprache mit der Polizei und der Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) wird nun geschaut, ob wir die Partie in Asberg austragen dürfen", sagt Schützek, der als ehemaliger Team-Manager in der 3. Liga beim KFC Uerdingen 05 bereits Erfahrung in diesem Bereich gesammelt hat.

Knapp drei Monate nach dem bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte startet der SV Scherpenberg in das "Abenteuer" Oberliga Niederrhein, empfängt am Freitag, 14. August, ab 19.30 Uhr den "Oberliga-Dino" ETB Schwarz-Weiß Essen. "Wir gehen sehr demütig in die neue Saison, sind aber auch selbstbewusst und wollen möglichst eine Handvoll Mannschaften, mit denen wir uns auf Augenhöhe sehen, hinter uns lassen", gibt Schützek die Marschrichtung vor. "Grundsätzlich freuen wir uns auf jeden Gegner, mit dem wir uns messen dürfen. Bis auf den SV Sonsbeck und Blau-Weiß Dingden haben wir gegen die restlichen Vereine noch nie ein Meisterschaftsspiel absolviert."


Der 1. Spieltag der Oberliga Niederrhein 2026/2027 im Überblick