Knapp drei Monate nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte startet die 1.Spvg. Solingen-Wald 03, die fortan kurz "Solingen 03" genannt wird, in ihr "Abenteuer" in der Oberliga Niederrhein. Bereits vier Spieltage vor dem Saisonende in der Landesliga Gruppe 1 hatte sich das Team von Trainer Daniele Varveri (44) die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die fünfthöchste deutsche Spielklasse gesichert. Am Ende waren es acht Punkte Vorsprung und 93:41 Tore. Dabei riss zum Abschluss der letzten Saison die Feierlaune beim Klub aus der Klingenstadt gar nicht ab. Auch die U 23 ist in die Bezirksliga aufgestiegen.
"2021 haben wir in Solingen das Projekt Oberliga-Aufstieg ins Leben gerufen", sagt der Sportliche Leiter Peter Resvanis, der zuvor sieben Jahre bei Fortuna Köln für den Nachwuchsbereich verantwortlich und auch als 2. Vorsitzender in der Domstadt tätig war.
Die 1.Spvg. Solingen-Wald entstand am 12. Mai 2006 durch die Fusion der SpVgg Gräfrath mit dem VfL Wald und war im Jahr 2020 noch A-Ligist. Nach zuletzt zwei Aufstiegen in Folge will Solingen 03 die alte Fußball-Tradition in der Stadt möglichst wieder aufleben lassen. Schließlich war nach dem Absturz der SG Union Solingen, die von 1975 bis 1989 sogar in der 2. Bundesliga gespielt hatte, die Stadt Solingen von der überregionalen Fußball-Landkarte verschwunden.
Bei der Frage nach der Zielsetzung für die erste Oberliga-Saison muss Peter Resvanis nicht lange überlegen. "Wir wollen den Aufstiegsschwung mitnehmen, streben einen Platz im gesicherten Mittelfeld an", macht der 59-Jährige unmissverständlich klar. Allerdings fügt Resvanis auch gleich hinzu, wie er dieses Ziel erreichen möchte: “Unser Kader wurde entsprechend zusammengestellt, damit wir möglichst eine sorgenfreie Saison spielen.”
Gleich zu Beginn wird Solingen 03 sportlich auf Herz und Nieren geprüft. Mit dem Gastspiel beim DFB-Pokal-Teilnehmer SC St. Tönis 11/20 (Sonntag, 16. August, 15.30 Uhr) und mit der Heimpremiere gegen die Holzheimer SG (Sonntag, 23. August, 15.30 Uhr) bekommt es das Team mit zwei erfahrenen Mannschaften zu tun. Am Freitag, 28. August, ab 19.30 Uhr wartet schließlich die U 23 von Fortuna Düsseldorf, die nur deshalb den Gang aus der Regionalliga West in die Oberliga Niederrhein antreten musste, weil die Profis den Abstieg aus der 2. Bundesliga nicht verhindern konnten.

Die bisherigen Testspiele während der Vorbereitung beim Regionalliga-Aufsteiger VfB 03 Hilden (0:4), beim Bezirksligisten SG Benrath-Hassel (5:3), gegen den Landesligisten FC Kray (6:3), gegen den Oberliga-Absteiger VfB Homberg (6:1) und zuletzt beim Westfalen-Oberligisten TuS Ennepetal (4:0) offenbarten zwar, dass beim Aufsteiger Solingen 03 noch jede Menge Arbeit zu leisten ist. Zuletzt zeigte die Tendenz jedoch eindeutig nach oben.
"Unsere Vorbereitung war insgesamt recht durchwachsen. Bei den Trainingseinheiten an der Carl-Ruß-Straße müssen wir uns den Platz sehr oft mit anderen Mannschaften teilen", hofft Sport-Chef Resvanis auf einen baldigen Umzug in die nahegelegene Jahnkampfbahn, ein Stadion mit Naturrasen im Solinger Stadtteil Wald. Die Anlage steht seit 1994 unter Denkmalschutz, soll möglichst zeitnah regionalliga-tauglich gemacht werden.
Für die Oberliga-Saison ist der Spielbetrieb noch an der Carl-Ruß-Straße auf Kunstrasen geplant. Zur Verbesserung der Infrastruktur prüfe die Stadt eine Containerlösung für zusätzliche Sanitär- und Umkleidebereiche. Bei den Hochsicherheitsspielen befindet sich der Verein noch auf der Suche nach einer passenden Ausweichlösung, hat dafür bereits die regionalliga-tauglichen Spielstätten beim VfB 03 Hilden, beim Wuppertaler SV oder beim KFC Uerdingen 05 ins Auge gefasst.
Die Transfers der Solinger klingen vielversprechend. Neben den Eigengewächsen Max Schreckenberg (23), Konstantinos Tsiougaris (28), Marco Cirillo (28), und Mittelfeldspieler Niklas Albrecht (23), die allesamt den Weg von der Bezirks- bis in die Oberliga mitgegangen sind, wurden gleich mehrere Spieler im gehobenen Fußball-Alter geholt, die der Mannschaft die nötige Stabilität in der Oberliga geben sollen.
Mit Markus Pazurek (37), der bei seinen letzten Stationen bei der SSVg Velbert, bei den Sportfreunden Siegen oder zuletzt auch beim Ahrweiler BC immer an einem Aufstieg beteiligt war, wurde ein ganz erfahrener Spieler verpflichtet. Hinzu kommen weitere Routiniers wie Torhüter Marcel Lenz (35/Rot-Weiss Essen II), Mittelfeldspieler Marko Stojanovic (32/Wuppertaler SV), Rechtsaußen Ali Can Ilbay (34/DV Solingen) und Stürmer Max Wilschrey (30/FC Emmelshausen-Karbach), die während ihrer Laufbahn ebenfalls schon einige Erfolge vorweisen können.
Hinzu kommen Isaak Akritidis (24), der in der letzten Saison beim 1. FC Bocholt noch Regionalliga-Luft geschnuppert hat, und Thomas Idel (26), der für den Drittligisten FC Viktoria Köln mehrfach zum Einsatz kam. Der älteste Spieler im Solinger Kader ist aber kein Neuzugang, sondern Mittelfeldspieler Erkan Ari. Der 39-Jährige ist gebürtiger Solinger, war maßgeblich am Aufstieg beteiligt und ist der verlängerte Arm von Trainer Daniele Varveri.
Ebenfalls auffällig beim Aufsteiger: Mit Geogios Siadas, Konstantinos Tsiougaris, Georgios Mavroudis, Isaak Akritidis und Nikolaos Skondras stehen gleich fünf Spieler mit griechischen Wurzeln im Kader. "Ich selbst bin griechischer Abstammung" verrät der Sportliche Leiter. "Meine Mama ist Deutsche und mein Vater ist Grieche. Ich kenne den griechischen Spielermarkt sehr gut", sagt Peter Resvanis. Der gebürtige Solinger spielte in der Jugend bei der SG Union Solingen 1897 und gehörte damals zu den hoffnungsvollsten Torwart-Talenten in der Klingenstadt. Nachdem er im Seniorenbereich für eine Saison als Profi zu Panionios Athen ging und dann zurück in seine Heimat kam, spielte er noch einige Jahre für Enosis Solingen, den FC Britannia und den TSV Aufderhöhe. Nun will er als Sportlicher Leiter mit Solingen 03 den Aufwärtstrend der letzten Jahre möglichst weiter fortsetzen.
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