Futsal

Niederrhein-Auswahlspieler Islam Akrab spielt nun für Ägypten und hofft auf die WM

1. FC Kleve, SGE Bedburg-Hau, SV Hö-Nie, Wuppertaler SV - und dann ab zum Futsal-Nationalteam Ägyptens. Der 22-Jährige ist einen kuriosen Weg gegangen.
9. Februar 2021 Futsal | Kleve / GeldernText: Heiko Buschmann
Niederrhein-Auswahlspieler Islam Akrab spielt nun für Ägypten und hofft auf die WM
Bildquelle: privat
In Ägypten hat Futsal einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland. Islam Akrab im roten Trikot mit der Nummer sieben.

Der 22-Jährige, mit vollem Namen Islam Ayman Mohamed Ahmed Akrab, ist gerade in seiner Heimat in Kairo. Vor einem Jahr noch war sein Zuhause ein kleines Studentenzimmer in Kleve. Nun träumt der Maschinenbau-Student, der zuvor in der Landesliga für den SV Hönnepel-Niedermörmter gekickt hat und dann ins Futsal-Team des Wuppertaler SV gewechselt ist, von der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Wir haben ihn gefragt, wie er sich auf die WM vorbereitet und ob er noch Kontakte nach Deutschland pflegt.

FVN.de: Islam Akrab, seit wann sind Sie wieder in Ägypten?

Islam Akrab: Seit Februar 2020, also kurz vor dem Lockdown und den internationalen Reisewarnungen.

Was machen Sie in Kairo und wie sind gerade die Verhältnisse dort?

Akrab: Auch hier gibt es wegen Corona viele Einschränkungen im Alltag, aber immerhin kann ich meinen Sport ausüben. Das ist wichtig, um eine Perspektive zu haben und für mein großes Ziel zu kämpfen.

Kraftvoll für den FVN: Islam Akrab hat seine Qualitäten auch schon für die Niederrhein-Auswahl gezeigt. (Foto: Volker Nagraszus)

Die Futsal-WM im September in Litauen.

Akrab: Ja, das ist mein großer Traum. Ob die WM dann tatsächlich stattfinden kann, ist natürlich noch offen, aber ich bereite mich mit dem Nationalteam darauf vor.

Wie kam es dazu, dass Sie vom Amateurfußballer in Deutschland zum Auswahlkicker in Ägypten wurden?

Akrab: Ich bin im Oktober 2016 nach Deutschland geflogen, um dort zu studieren. Mein Bruder Amir war schon dort an der Technischen Hochschule Aachen, wo ich mich im Fach Maschinenbau eingeschrieben habe. Gewohnt haben wir in Geilenkirchen, ich bin dann aber nach Bedburg-Hau gezogen und habe beim 1. FC Kleve in der Jugend gespielt. Danach bin ich zur SGE Bedburg-Hau gewechselt, mit der ich den Aufstieg von der Bezirks- in die Landesliga geschafft habe. Bei der SGE habe ich zweieinhalb Jahre gespielt und danach noch ein halbes Jahr für den SV Hönnepel-Niedermörmter in der Landesliga, bevor ich dann letztes Jahr zurück nach Kairo geflogen bin. Zwischenzeitlich bin ich auch noch von der damaligen Trainerin Inka Grings zu einem Probetraining beim SV Straelen eingeladen worden, aber leider ist es nicht zu einer Verpflichtung gekommen.

Und wie lautet Ihre Futsal-Geschichte?

Akrab: Während meiner Zeit als Feldspieler in Bedburg-Hau habe ich auch beim Futsal-Team der Hochschule Rhein-Waal mitgemacht. Der Trainer des Hochschul-Teams ist Andrej Kornelsen, er ist aber auch Co-Trainer der Futsal-Niederrhein-Auswahl und hat mich für ein Länderturnier nominiert. Mir kommt das schnelle Spiel in der Halle sehr entgegen, da ich selber ziemlich schnell bin und technisch auch ganz gut mithalten konnte. Daher bin ich den nächsten Schritt gegangen und zum Regionalligisten Wuppertaler SV gewechselt.

Islam Akrab im Trikot des SV Hönnepel-Niedermörmter. (Foto: privat)

Wie kamen Sie von Wuppertal ins ägyptische Nationalteam?

Akrab: Ich wollte einfach wissen, ob ich gut genug für die Nationalmannschaft bin. Und Andrej Kornelsen hat mir gesagt, dass ich Videomaterial an den Verband schicken und mich einfach mal für ein Probetraining bewerben solle. Das war eine super Idee, denn ich bin direkt zu einem Lehrgang im August eingeladen worden.

Wie ging es in Ihrer Heimat weiter?

Akrab: Dem Nationaltrainer haben meine Leistungen anscheinend gefallen, denn ich durfte bleiben und war bei zwei Länderspielen im November in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten dabei.

Welchen Stellenwert hat Futsal in Ägypten und wie stark ist das Nationalteam?

Akrab: Im Vergleich zu Deutschland bekommt Futsal hier schon mehr Aufmerksamkeit. In Deutschland konzentriert sich das Interesse ja noch sehr stark auf den "normalen" Fußball. Hier in Ägypten ist es natürlich auch so, dass der Fußball auf dem Feld einen höheren Stellenwert hat, aber Futsal ist trotzdem gut anerkannt. Die Futsal-Ligen sind zwar nicht so stark wie in Deutschland, aber die Nationalmannschaft ist aktuell 21. in der Weltrangliste und steht damit weit vor dem DFB-Team.

Islam Akrab freut sich hier über sein erstes Tor für die ägyptische Futsal-Nationalmannschaft. (Foto: privat)

Gute Aussichten also für die WM!

Akrab: Bei der letzten WM ist Ägypten im Viertelfinale gegen den Ausrichter und späteren Turniersieger Argentinien ausgeschieden. Das war sehr stark! Falls die WM im September in Litauen stattfinden kann, wäre es unser Ziel, dieses Ergebnis vielleicht noch zu übertreffen und es ins Halbfinale zu schaffen.

Mit Ihnen am Ball.

Akrab: Das wäre großartig! Im Moment haben wir in der Vorbereitung monatlich einen Lehrgang – und um bei der WM dabei zu sein, werde ich jedes Mal alles geben!

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