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Frauenfußball

"Überfliegerinnen" aus Mülheim-Raadt: Fast 13 Tore pro Spiel!

Nach nur 15 Saisonspielen kommt der SVR als Spitzenreiter auf 42 von 45 möglichen Punkten und ein Torverhältnis von 159:9.
2. January 2023 Frauenfußball | GlobalText: Peter Haidinger/MSPW
Bildquelle: SV 1967 Mülheim-Raadt/Privat
Die "Überfliegerinnen" vom SV Raadt.

Als "Macht vom Flughafen" bezeichnet sich der SV 1967 Mülheim-Raadt auf seiner Vereinshomepage. Das hat einen guten Grund. Die Platzanlage des Klubs, der mit insgesamt 23 Teams am Spielbetrieb des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) teilnimmt, ist nur rund 500 Meter vom Flughafen Essen/Mülheim entfernt, einem Verkehrslandeplatz im Südwesten des Ruhrgebiets.

Die "Überfliegerinnen" des Vereins spielen eindeutig im Frauenteam des SVR in der Kreisliga A Oberhausen-Bottrop und sind nicht nur dort das Maß aller Dinge. Nach gerade einmal 15 Saisonspielen kommt das Team um Cheftrainer Mario Niemann (56) als Spitzenreiter auf 42 von 45 möglichen Punkten und ein Torverhältnis von 159:9. Dabei traten drei gegnerische Mannschaften gar nicht erst an, so dass die Partien jeweils 2:0 für den Ligaprimus gewertet wurden. Die weiteren 153 Treffer erzielte der SV Raadt also in nur zwölf Begegnungen - exakt 12,75 Tore pro Spiel.

Dabei trägt Topstürmerin und Kapitänin Maren Schönherr, die mit 66 Saisontreffern die bundesweite Wertung für die Torjägerkanone für alle in der 7. Liga mit 23 Toren Vorsprung souverän anführt und aktuell Deutschlands treffsicherste Angreiferin überhaupt ist, keineswegs die alleinige Last. Auch Paula Maria Schippel (16 Treffer) sowie Caroline Jetzki sowie Felina-Marie Weber (jeweils 14) haben allesamt schon jeweils zweistellig getroffen.

Die positive Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Seit der Gründung im Jahr 1967 hat sich der SV Mülheim-Raadt stetig weiterentwickelt und ist besonders in jüngerer Vergangenheit immer mehr gewachsen. Das betrifft vor allem die Fußballabteilung.

Seit dem Jahr 2011 hat sich der SV Raadt speziell dem Mädchenfußball verschrieben. Auch deshalb wurde 2016 die Kooperation mit der Hölter-Grundschule in Mülheim ins Leben gerufen. "Wir haben das Projekt gepflegt, in der Schule Fußball-AGs und auf unserer Platzanlage ein Fußball-Schnuppertraining angeboten", sagt Frauentrainer Mario Niemann im Gespräch mit FUSSBALL.DE.

Aktuell gehören zur Nachwuchsabteilung mehr als 430 Kinder, davon rund 180 Mädchen. Alle Altersklassen (bei den Mädchen und den Jungen) sind von der U 7 bis zur U 17 bzw. U 19 vertreten. Ein Angebot, das in der Ruhrgebietsstadt Mülheim und seiner Umgebung einzigartig ist.

Torjägerin Maren Schönherr.

Mario Niemann, der seit neun Jahren im Verein tätig ist, kam über Tochter Nora (23) zu seinem Trainerjob. Der C-Lizenzinhaber hatte einst selbst bis zur A-Jugend für den MSV Duisburg gespielt, konzentrierte sich nach seiner aktiven Laufbahn dann aber auf seine berufliche Karriere. Mit zwölf Jahren meldete er Nora beim SV Mülheim-Raadt und wurde in der U 13 selbst ihr Trainer.

Während Nora nach einigen Jahren jedoch verletzungsbedingt mit dem Fußball aufhören musste, hatte ihr Vater so viel Gefallen am Trainerjob gefunden, dass er unbedingt weitermachen wollte. "So bin ich dabeigeblieben", sagt der Versicherungskaufmann, der die meisten Spielerinnen seines aktuellen Frauenteams schon über viele Jahre kennt und oft bereits seit der U 13 ausgebildet hat.

Unterstützt wird Mario Niemann, der beruflich oft und viel unterwegs ist, von seinem Trainerkollegen Marco Kutsch. "Marco ist inzwischen im dritten Jahr mit dabei. Wir ergänzen uns sehr gut und haben die gleiche Einstellung zum Fußball", sagt der Cheftrainer.

Ausgezeichnet läuft es aber auch für das gesamte Team. Bereits in der vergangenen Saison klopften die Mülheimerinnen an das Tor zur Bezirksliga, mussten aber dem ambitionierten Oberhausener Aufsteiger SV Adler Osterfeld, der ohne Punktverlust durchmarschierte, knapp den Vortritt lassen. Umso größer ist die Motivation, es diesmal zu schafften. "Wenn wir weiterhin so performen, bin ich mir sicher, dass es mit dem Aufstieg klappen wird", sagt Trainer Niemann. "Die aktuelle Mannschaft ist das stärkste Team, das ich bislang trainieren durfte. Außerdem ist es auch deshalb wichtig, dass wir mit der Frauenmannschaft hochgehen, damit wir unserem Nachwuchs eine noch bessere Perspektive bieten können."

Nur am 5. Spieltag hatte das Team allerdings keinen guten Tag erwischt, verlor überraschend ihr bislang einziges Spiel im Derby beim Tabellensechsten Mülheimer FC 1997 (1:2). "Wir waren nicht fokussiert, haben das Derby im großen Ruhrstadion etwas auf die leichte Schulter genommen", gibt der Trainer ehrlich zu. Aber das ist längst abgehakt.

Zur stetigen Weiterentwicklung des Teams hat auch die ehemalige Bundesligaspielerin Magdalena Richter beigetragen, die immer auf Abruf bereitsteht. Die 30 Jahre alte Mittelfeldspielerin hatte 2019 ihre Laufbahn beim MSV Duisburg beendet und stand zuvor beim FSV Gütersloh und beim VfL Bochum unter Vertrag. "Magdalena hilft uns mit ihrer Erfahrung", freut sich Niemann über diese qualitativ hochwertige Alternative, die in dieser Saison aber bislang nur zweimal für den SV Mülheim-Raadt am Ball war.

Dass der Tabellenführer mit Torjägerin Maren Schönherr eine Ausnahmestürmerin im Kader hat, freut Cheftrainer Niemann sehr. Die 24 Jahre alte Erzieherin traf beispielsweise beim 26:0 zum Saisonstart gegen die SG Osterfeld allein 17-mal. Im Rückspiel, das mit demselben Ergebnis endete, waren es dann 16 Tore. Auch deshalb hat die Raadter Kapitänin mit insgesamt 66 Saisontreffern beste Chancen auf die Torjägerkanone für alle. In der vergangenen Saison musste sich die Mülheimer Torgarantin mit 79 Treffern noch mit Platz zwei hinter Maria Asnaimer (TuS Germania Lohauserholz-Daberg/93 Tore) zufriedengeben.

"Wir alle drücken Maren ganz fest die Daumen, dass sie sich diesmal die Torjägerkanone holt. Sie stellt sich immer im Dienst der Mannschaft, möchte nicht im Vordergrund stehen und legt auch sehr viele Tore für ihre Mitspielerinnen auf", lobt Niemann.

Neben Schönherrs Treffsicherheit macht Mario Niemann aber vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit für den Erfolg verantwortlich. "Die Spielerinnen unternehmen auf und neben dem Platz sehr viel zusammen, verstehen sich einfach sehr gut", so der Trainer. So steht auch im nächsten Jahr wieder eine Abschlussfahrt auf dem Programm, bei der im besten Fall der Aufstieg und der Gewinn der Torjägerkanone gefeiert werden können.

 

Dieser Text ist zuerst am 21. Dezember auf FUSSBALL.DE erschienen.

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