Niederrheinpokal/DFB-Pokal

Ex-Profi Jannis Nikolaou vom SC St. Tönis: "Gefühl wie beim Pokalfinale"

Im Interview spricht der 32-Jährige über Eintracht Frankfurt als DFB-Pokal-Los und seine vergangenen Pokalerlebnisse.
10. Juni 2026 Herrenfußball | GlobalText: Ralf Debat/MSPW
Ex-Profi Jannis Nikolaou vom SC St. Tönis:
Bildquelle: Imago Images
Jannis Nikolaou vom SC St. Tönis im Niederrheinpokal-Endspiel gegen den MSV Duisburg (1:4).

Für den SC St. Tönis, den Tabellenfünften der Oberliga Niederrhein, ist die Teilnahme am DFB-Pokal eine Premiere. Im ersten Spiel der Vereinshistorie im bundesweiten Wettbewerb trifft der Klub aus Tönisvorst (bei Krefeld) zwischen dem 21. und 24. August auf den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Im Interview spricht Ex-Profi Jannis Nikolaou (32) über das Los und seine Pokalerlebnisse.

Wie haben Sie die Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal verfolgt, Herr Nikolaou?

Jannis Nikolaou: Während Trainer Bekim Kastrati im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund selbst vor Ort war, hat das Team gemeinsam im Vereinsheim mitgefiebert. Es war schon cool, dass wir als erstes Los überhaupt gezogen wurden. Als dann Eintracht Frankfurt als Gegner bekannt wurde, war der Jubel groß. Schließlich hatten wir alle auf einen Bundesligisten gehofft. Auch wenn einige Jungs einen anderen Wunschgegner hatten.

Welchen?

Nikolaou: Wegen der geographischen Nähe sowie wegen der Vergangenheit einiger Spieler und unseres Trainers wäre es ein Traum gewesen, auf Borussia Mönchengladbach zu treffen. Natürlich standen auch der FC Bayern München und der BVB hoch im Kurs. Dennoch ist auch Eintracht Frankfurt ein super Los für den Verein. Es geht gegen einen der größten Klubs in Deutschland, der auch über eine riesige Fanbase verfügt. Viel besser kann es doch gar nicht sein.

Mit Ihrem früheren Verein Eintracht Braunschweig standen Sie erst vor zwei Jahren den Frankfurtern ebenfalls in der ersten Pokalrunde gegenüber. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Nikolaou: Es herrschte eine sehr gute Stimmung im Stadion, in der ersten Halbzeit konnten wir die Partie auch noch offen gestalten. Nach der Pause sind wir dann aber schnell auf die Verliererstraße geraten, haben am Ende 1:4 verloren. Damals stürmten unter anderem noch Hugo Ekitiké und Omar Marmoush für die SGE. Aber auch ohne die beiden ist Frankfurt gegen St. Tönis selbstverständlich haushoher Favorit.

Welche Bedeutung hat die Qualifikation für den DFB-Pokal für einen kleinen Verein wie den SC St. Tönis?

Nikolaou: Es ist eine einmalige Geschichte - für die Spieler, für die Verantwortlichen und für den gesamten Verein. Schließlich erhält der Klub, der bisher auf keiner bundesweiten Fußball-Landkarte aufgetaucht ist, plötzlich die Gelegenheit, sich in einem nationalen Wettbewerb zu präsentieren. Das ist für das Image des Vereins unbezahlbar. Hinzu kommen natürlich noch die zusätzlichen Einnahmen, die für einen Oberligisten alles andere als alltäglich sind.

Schon vor dem Finale um den Niederrheinpokal gegen den Drittligisten MSV Duisburg stand fest, dass der SC St. Tönis zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte am DFB-Pokal teilnehmen wird. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Gewissheit herrschte?

Nikolaou: Damit wir sicher dabei sind, musste der MSV in der 3. Liga mindestens Tabellenvierter werden. Entsprechend haben wir den Saisonendspurt genau verfolgt. Schon im Spiel beim FC Erzgebirge Aue hatten die Duisburger am vorletzten Spieltag die Chance, alles klarzumachen, kamen aber nicht über ein 0:0 hinaus. Beim Saisonfinale gegen den FC Viktoria Köln war ein Großteil unseres Teams sogar im Stadion vor Ort, andere waren ständig auf Liveticker. Als die Partie beim Stand von 1:1 abgepfiffen wurde, kannte die Freude bei uns keine Grenzen. Beim MSV sah es ein wenig anders aus, weil er durch das Remis den Relegationsrang drei knapp verpasste.

Obwohl beide Teams schon für den DFB-Pokal qualifiziert waren, strömten am Finaltag der Amateure fast 20.000 Fans in die Duisburger Arena und sahen ein 4:1 gegen den SC St. Tönis. War das schon eine gute Vorbereitung für die Premiere im "großen" Pokalwettbewerb?

Nikolaou: Definitiv. Von mir einmal abgesehen, war noch keiner unserer Spieler zuvor vor einer solchen Kulisse aufgelaufen. Das war ein cooles Erlebnis, das wir alle richtig genießen konnten, weil der sportliche Druck nicht mehr so hoch war. Die haben den Jungs gesagt, dass sie alles aufsaugen und mitnehmen sollen.

Sie waren während Ihrer Karriere schon häufig im DFB-Pokal am Ball. Was wir Ihr persönliches Highlight?

Nikolaou: Da muss ich gleich zwei Partien gegen Hertha BSC nennen. Mit Dynamo Dresden sind wir vor mehr als 70.000 Fans im Berliner Olympiastadion angetreten, mindestens die Hälfte waren Dynamo-Anhänger. Es war ein Gefühl wie beim Pokalfinale. Erst im Elfmeterschießen mussten wir uns dem damaligen Bundesligisten geschlagen geben. Zwei Jahre später konnten wir dann mit Eintracht Braunschweig die Hertha nach Elfmeterschießen ausschalten, dabei war ich auch selbst vom Punkt erfolgreich. Das war so etwas wie meine persönliche Revanche.

Nach vielen Jahren im Profifußball haben Sie gerade Ihre erste Saison in der Oberliga Niederrhein hinter sich. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Nikolaou: Absolut. Ich hätte durchaus noch als Profi weitermachen können, wollte aber aus familiären Gründen kürzertreten und durchaus noch auf einem gehobenen Niveau spielen. Es hat sich definitiv gezeigt, dass auch in der Oberliga guter Fußball gespielt wird. Klar, die Intensität im Training und auch in den Spielen ist eine andere. Dennoch wird man gefordert. Da ich in der Nähe wohne, hatte sich der SC St. Tönis für mich angeboten. Ich habe mich auch vom ersten Tag an wohlgefühlt.

Was gefällt Ihnen besonders am Amateurfußball?

Nikolaou: Die familiäre Atmosphäre in der Kabine und im gesamten Klub machen es besonders. Der Zusammenhalt ist groß, nicht alles wird immer so ernst genommen. Da habe ich auch gerne den einen oder anderen Kasten Bier in die Kabine gestellt.

Auch sportlich lief es gut, oder?

Nikolaou: Auf jeden Fall. Wir haben als kleiner Klub in der Oberliga lange Zeit oben mitgespielt, erst im Endspurt war ein wenig die Luft raus. Die erstmalige Qualifikation für den DFB-Pokal überstrahlt jedoch alles.


 


Dieser Text erschien zuerst am 9. Juni auf FUSSBALL.DE.