Finaltag der Amateure

SC St. Tönis-Trainer Bekim Kastrati im Finaltag-Interview: "Einfach Spaß haben und genießen"

Der SC St. Tönis steht kurz vor dem bisher größten Spiel der Vereinsgeschichte - und steht bereits sicher im DFB-Pokal 2026/2027.
20. Mai 2026 Herrenfußball | GlobalText: Peter Haidinger/MSPW
SC St. Tönis-Trainer Bekim Kastrati im Finaltag-Interview:
Bildquelle: Imago Images
SC St. Tönis-Trainer Bekim Kastrati steht vor dem bisher größten Spiel seiner Trainer-Karriere.

Der SC St. Tönis, Tabellenfünfter in der Oberliga Niederrhein, tritt im Rahmen des Finaltags der Amateure am Samstag (ab 15.30 Uhr, live in der ARD-Konferenz), im Endspiel um den Niederrheinpokal vor einer fünfstelligen Kulisse beim Drittligisten MSV Duisburg an. Der Klub aus der Stadt Tönisvorst im Kreis Viersen ist bereits - unabhängig vom Ausgang des Pokalfinales - zum ersten Mal der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert, weil sich die "Zebras" schon als Tabellenvierter in der 3. Liga das Startrecht gesichert haben.

Beim Underdog steht mit Trainer Bekim Kastrati (47) ein früherer Bundesligaprofi an der Seitenlinie. Im Interview spricht der zweifache Familienvater über den Finaltag der Amateure, seinen Wunschgegner im DFB-Pokal und wie er das Herzschlagfinale in der 3. Liga als Zuschauer in der Duisburger Arena verfolgte.

Mit dem SC St. Tönis müssen Sie am Finaltag der Amateure im Endspiel um den Niederrheinpokal beim favorisierten Drittligisten MSV Duisburg antreten. Wie groß ist bereits die Vorfreude auf dieses Highlight, Herr Kastrati?

Bekim Kastrati: Wir waren zuletzt mit der gesamten Mannschaft im Stadion, haben uns das Saisonfinale in der 3. Liga zwischen dem MSV und dem FC Viktoria Köln angeschaut. Die Jungs konnten so schon einmal die Atmosphäre aufsaugen, die uns am Finaltag erwarten wird. Die Vorfreude ist unbeschreiblich. Es kribbelt bereits und steigert sich von Tag zu Tag.

Ihre Mannschaft wird mit einem eigens folierten Bus anreisen. Selbst die Mannschaft weiß nicht, wie das Design aussieht. Können Sie die Überraschung für uns lüften?

Kastrati: Tatsächlich wissen bei uns nur drei Leute, wie der Bus aussehen wird. Ich gehöre nicht dazu, lasse mich wie die Mannschaft überraschen. Für die Fans wurden bisher drei Busse organisiert, weitere könnten über die Jugendabteilung dazukommen. Wir werden jedenfalls mit dem neu gestylten Bus wie Bundesligaprofis nach Duisburg anreisen. (lacht)

Eine St. Tönis-"Delegation" verfolgte das Saisonfinale des MSV Duisburg im Stadion. Foto: SC St. Tönis 11/20/Privat

Für den SC St. Tönis 11/20 ist das Finale das bislang größte Spiel in der Vereinsgeschichte. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Verein?

Kastrati: Der SC St. Tönis kickte bis 2012 noch in der Kreisliga B, ehe dann ein kontinuierlicher Aufstieg begann. Die zurückliegende Saison in der Oberliga Niederrhein war schon sehr erfolgreich. Auch in dieser Spielzeit haben wir lange Zeit um die Meisterschaft mitgespielt. Von daher ist die positive Entwicklung sehr beeindruckend. Wir sind ein kleiner Dorfklub, der wegen der fehlenden Infrastruktur nicht von einem Aufstiegsrecht in der Regionalliga Gebrauch machen würde. Die Oberliga ist unser zu Hause. Wir sind Feierabendfußballer, arbeiten von morgens bis abends und trainieren dreimal in der Woche.

In der Meisterschaft hat Ihr Team zuletzt viermal in Folge keinen Dreier geholt. Hatten die Spieler bereits das Finale im Hinterkopf?

Kastrati: Das kann schon sein. Aber wir haben mit der Mannschaft auch sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Unser 1. Vorsitzender und Abteilungsleiter Markus Hagedorn ist im Alter von nur 56 Jahren ganz überraschend verstorben. Das ist ein riesengroßer Verlust für den gesamten Verein. Es ist schon bitter, denn Markus hätte sich nichts mehr gewünscht, als bei diesem Event dabei zu sein. Wir lassen uns etwas einfallen, wollen ihm vor großer Kulisse und in einem würdigen Rahmen noch einmal gedenken.

Sie waren beim Herzschlagfinale in der 3. Liga in der Duisburger Arena als Zuschauer hautnah dabei und haben den "Zebras" die Daumen gedrückt, dass mindestens Platz vier herausspringt. Wie haben Sie das Wechselbad der Gefühle erlebt?

Kastrati: 15 Spieler aus unserer Mannschaft, die sportliche Führung, die beiden Vorsitzenden und ich waren im Stadion. Wir haben den MSV unterstützt, wobei wir in erster Linie an uns gedacht haben. Bei einer Niederlage der Duisburger wären wir nicht sicher im DFB-Pokal dabei gewesen, hätten den haushohen Favoriten am Finaltag besiegen müssen, um das Ticket zu lösen. Die Viktoria ging jedoch in Führung und hatte bei einem Pfostenschuss sogar die große Chance zum 2:0. Umso größer war der Stein, der uns beim Ausgleich vom Herzen gefallen ist. In der Schlussphase war der MSV alles nach vorne, ging total ins Risiko, um mit einem Sieg noch Tabellendritter zu werden. Unsere kleine Delegation aus St. Tönis waren wohl die einzigen Menschen im Stadion, die den Schlusspfiff herbeigesehnt hatten. (lacht) Für den MSV tut es mir leid, dass der Verein die Relegation verpasst hat. Im Stadion herrschte wegen der Enttäuschung Totenstille.

Wie fielen die Reaktionen aus, als der Traum vom DFB-Pokal wahr wurde?

Kastrati: Wir haben uns zunächst nur innerlich gefreut, konnten keine Freudensprünge machen, weil um uns herum nur MSV-Fans waren. Es war eine sehr bizarre Situation. Bei uns im Klubheim haben viele Fans das Spiel verfolgt. Als feststand, dass wir im DFB-Pokal dabei sind, stand mein Handy nicht mehr still. Über die sozialen Medien bekam ich unendliche viele Glückwünsche von ehemaligen Weggefährten.

Was werden Sie Ihren Spielern vor dem Finaltag mit auf dem Weg geben?

Kastrati: Wir sind unglaublich stolz, dass wir den Verein bundesweit vertreten dürfen. Für uns ist es eine Sensation, dass das kleine SC St. Tönis im DFB-Pokal dabei ist. Die Jungs werden mindestens vor 16.000 Fans spielen, sollen die Partie einfach nur genießen und Spaß haben. Wir haben nichts zu verlieren und können ganz befreit aufspielen. Am liebsten würde ich alle 18 Spieler einsetzen. Dem einen oder anderen werde ich wehtun müssen.

Steht schon fest, in welchem Stadion das DFB-Pokalspiel der ersten Hauptrunde ausgetragen wird?

Kastrati: Mein Fokus ist ganz klar auf die Partie gegen den MSV Duisburg gerichtet. Aktuell ist das für mich kein Thema, weil ich mich ausschließlich mit der Spielvorbereitung befasse. Klar ist, dass wir bei uns zu Hause nicht werden spielen können. Alles andere wird davon abhängen, welchen Gegner wir zugelost bekommen. Erst dann werden wir uns um ein entsprechendes Ausweichstadion bemühen.

Als Spieler waren Sie bereits im DFB-Pokal aktiv. Was ist als Trainer Ihr Wunschgegner für die erste Runde?

Kastrati: Ich lebe mit meiner Familie in Mönchengladbach, habe früher auch für Borussia gespielt. Gegen meinen Ex-Verein anzutreten, wäre die Kirsche auf der Sahnetorte.


 


Dieser Text erschien zuerst am 21. Mai auf FUSSBALL.DE.