Vereinstreue

"Verein ist mein Leben": Willi Zimmermann seit 81 Jahren Mitglied in Jüchen

Wenn die Mitglieder des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler minutenlang Beifall klatschen: Willi Zimmermann hat es absolut verdient, er ist eine Vereinslegende.
25. Februar 2020 VerbandsmeldungenText: Heiko Buschmann, FVN
Bildquelle: Verein
"Der Fußball hält mich jung, und der Verein ist mein Leben", sagt Willi Zimmermann (links),

Es ist eine turbulente Zeit, als sich ein zehnjähriger Junge bei seinem örtlichen Fußballverein anmeldet. 1939, der Zweite Weltkrieg beginnt, doch der kleine Willi will nur spielen. Beim FC Viktoria 09 Jüchen gibt es als jüngste Mannschaft nur eine C-Jugend, aber das passt schon. Heute, 81 Jahre später, ist Willi Zimmermann immer noch fast jeden Tag auf dem Sportplatz.

Nach der Umsiedlung Garzweilers wegen des Abbaus im rheinischen Braunkohle-Bergbau und aufgrund einer Fusion mit dem FC Jüchen 08 heißt der Verein seit 1994 VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler 1908/09. Willi Zimmermann ist die Legende schlechthin in dem Klub im Fußballkreis Grevenbroich/Neuss. „So eine Vereinstreue ist ja schier unglaublich“, staunt der erste Vorsitzende Christoph Sommer.

Seit der C-Jugend bestreitet der heute 90-Jährige mehr als 1.000 Spiele für Jüchen. „Ich habe ganz in der Nähe des Sportplatzes gewohnt und war jeden Tag dort“, erzählt Willi Zimmermann. „Wegen des Krieges gab es aber 1943 und 1944 keinen Spielbetrieb, erst 1946 haben wir wieder angefangen.“

Der Sportplatz am alten Schwimmbad ist völlig zerstört. Fleißige Helfer um Heinrich Roebers und Heinrich Gerresheim treiben den Neuaufbau voran. 1954 meldet sich ein gewisser Willibert Kremer beim VfL Eintracht 08 Garzweiler an. „Das war ein richtig guter Junge“, erinnert sich Willi Zimmermann. Willibert Kremer wird Jugend-Nationalspieler und spielt später unter anderem für Borussia Mönchengladbach und mit dem Meidericher SV (heute MSV Duisburg) in der Bundesliga.

Willi Zimmermann bleibt in Garzweiler, kickt in der Kreis- oder Bezirksliga. „Linker Läufer“, verrät er. Eine Position wie aus dem Fußball-Museum, so etwas gibt es heute ja nicht mehr, auf jeden Fall irgendwo im Mittelfeld. Nach seiner aktiven Zeit ist er in verschiedenen weiteren Funktionen für den Verein tätig, unter anderem 30 Jahre als Jugendobmann und wird zwischenzeitlich sogar zwei Jahre lang Vorsitzender. Seinen Sinn für fairen Fußball übt er zudem als Schiedsrichter aus. 1967 ist er bei der Einweihung des neuen Sportplatzes an der Stadionstraße dabei, allerdings ist es ein Aschenplatz. 14 Jahre später kommt ein Rasen hinzu – und Bundesligist Bayer Leverkusen zur Einweihung.

Auch das ist schon wieder fast 40 Jahre her, aber Willi Zimmermann ist immer noch da, und zwar fast jeden Tag! „Nur wenn das Wetter so schlecht ist, wie in den vergangenen Tagen, dann muss ich leider zu Hause bleiben und kann mir nicht das Training anschauen“, erklärt der rüstige Senior. Vor drei Jahren verstarb seine Frau Ursula, gerade danach war für ihn der Fußball als Anker besonders wichtig. „Der Fußball hält mich jung, und der Verein ist mein Leben“, betont Willi Zimmermann.

Am Wochenende ist der Gang zum Sportplatz Pflicht. Samstags, wenn die Jugend spielt, und natürlich am Sonntag bei der ersten Mannschaft ist er immer dabei. „Zu Hause und auswärts“, wie Willi Zimmermann betont. Weil der VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler wie eine Familie ist, holt der Vorstand den treuesten Fan einfach zu Hause ab. Vorsitzender Christoph Sommer und sein Stellvertreter Walter Mures wechseln sich dabei ab. „Unser Willi ist ja, zum Glück, noch richtig fit“, sagt Christoph Sommer.

Standing Ovations: Als Willi Zimmermann (nicht im Bild) geehrt wurde, standen die Mitglieder des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler auf und applaudierten minutenlang. (Foto: Verein)

Am vergangenen Sonntag, 16. Februar, wurde er geehrt. Die Mitglieder trafen sich im Vereinsheim. 25, 20, 35, 40, 45, 50, 55 und sogar 60 und 72 Jahre sind manche dabei. Und einer 81: Willi Zimmermann. Zum 90. Geburtstag widmete der Klub ihm eine Plakette, die den Eingang zum Kabinentrakt schmückt. Nun gab es eine Ehrenurkunde - und minutenlangen Beifall. Standing Ovations. Willi Zimmermann war sichtlich gerührt.

Anschließend, um 15 Uhr, empfing der Tabellenvierte VfL Viktoria den Zweiten 1. FC Viersen. Ein echtes Spitzenspiel in der Bezirksliga, Gruppe 3. „Nach der Umsiedlung und schwierigen ersten Jahren hat sich in unserem Verein wirklich viel zum positiven entwickelt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir eine Vorzeigeadresse für den Fußballkreis Grevenbroich/Neuss sind“, bemerkt Christoph Sommer und führt aus: „Wir haben ein funktionierendes Vereinsleben und eine tolle Anlage mit Natur- und Kunstrasen, beide mit Flutlicht ausgestattet.“

Auch wenn der VfL Viktoria gegen Viersen mit 1:4 unterlag: Insgesamt hat der Verein gute Voraussetzungen, um vielleicht künftig sogar in der Landesliga zu spielen – natürlich mit Willi Zimmermann als treuestem Fan an der Seitenlinie.

Nächstes Thema:  Fußballkreise