Kreisliga/Torjägerkanone für alle

Vom Junioren-Nationalspieler zum Kreisliga C-Torjäger: Bulut Aksoy vom FSV Duisburg II im Interview

Der 38-Jährige erzielte in der laufenden Saison bereits 54 Treffer und führt damit das bundesweite Tor-Ranking der 10. Liga an.
21. Januar 2026 Herrenfußball | GlobalText: Dominik Dittmar/MSPW
Vom Junioren-Nationalspieler zum Kreisliga C-Torjäger: Bulut Aksoy vom FSV Duisburg II im Interview
Bildquelle: FSV Duisburg/Privat/Collage: FVN

In der Kreisliga C Duisburg-Mülheim-Dinslaken Gruppe 3 sorgt ein ehemaliger Junioren-Nationalspieler für besonders viele Tore: Mit 54 Treffern nach nur 16 Einsätzen ist Bulut Aksoy nicht nur der erfolgreichste Schütze der zweiten Mannschaft des FSV Duisburg. Der inzwischen 38-Jährige führt auch die bundesweite Rangliste der Torjägerkanone für alle in der 10. Liga an.

"Ich habe erst kürzlich von der Rangliste erfahren", so der Mittelstürmer im Gespräch mit FUSSBALL.DE. “In der lokalen Berichterstattung hatte ich gelesen, dass ich der beste Torschütze in der Region Niederrhein bin. Bei FUSSBALL.DE war mir dann aufgefallen, dass die Liste ja sogar bundesweit gilt.”

Auch in der zehnthöchsten Spielklasse, sind "Treffer für einen Stürmer eine geile Sache", findet Aksoy. “Dass es schon so viele sind, verdanke ich dem Team. Mit einigen Jungs spiele ich nun schon seit vielen Jahren zusammen. Ich will weiterhin einfach nur ein bisschen zocken. Ich genieße jede Minute, die ich auf dem Platz stehe.”

Bis zum zurückliegenden Sommer kickten er und fast alle seine Mitspieler viele Jahre für den BV Osterfeld. Bulut Aksoy übernahm dabei in der Kreisliga A die Rolle als spielender Co-Trainer. Dann kam der FSV Duisburg auf ihn zu - zum insgesamt dritten Mal, nachdem Aksoy schon von Juli 2010 bis Juni 2012 sowie von Januar bis Juni 2015 in der Landesliga für den FSV am Ball war. “Es hatte gerade ein neuer Vorstand übernommen. Mit dabei ist auch Mustafa Zeycan, der sich schon früher beim FSV engagiert und mich dabei unterstützt hatte, eine Ausbildungsstelle zu finden. Als dann die Anfrage kam, ob ich den Verein beim Wiederaufbau helfen will, musste ich nicht lange überlegen.”

So steht Bulut Aksoy auch bei der zweiten Mannschaft des FSV Duisburg mit "vielen geilen Mitspielern" auf dem Feld. Dazu zählt beispielsweise auch Mümin Aktürk, mit 18 Treffern zweitbester Schütze des FSV. Er war in der Saison 2012/2013 in der Oberliga Niederrhein am Ball. "Wir verstehen uns blind", betont Aksoy. So sind beide Offensivspieler an zahlreichen Treffern durch das Zentrum beteiligt. “Ich bin mit 1,92 Metern ein Stürmer, den es heutzutage nicht mehr so häufig gibt. Meine Robustheit und vor allem meine Erfahrung kommen mir bei vielen Treffern zugute.”

Schließlich war Aksoy in der Saison 2006/2007 in der damals noch drittklassigen Regionalliga Süd für den KSV Hessen Kassel am Ball. "Das war eine sehr schöne Zeit", erinnert sich der Angreifer. “Kassel ist eine sehr geile Stadt, unser Stadion war immer gut besucht. Als KSV-Spieler wurde man auch abseits des Feldes erkannt und angesprochen.”

In Kassel erlebte er auch eine eher ungewöhnliche Anekdote. "Wir hatten an einem Dienstag Training, allerdings war unser Trainer Matthias Hamann nicht bei der Einheit dabei", verrät er. “Er war zu einem Champions League-Spiel seines Bruder Dietmar Hamann gefahren.”

Dass abseits der Station beim KSV Hessen Kassel nicht mehr allzu viele Einsätze im höherklassigen Fußball hinzukamen, lag an einigen Verletzungen. "Vor allem die Situation beim Wuppertaler SV war dadurch für mich schwer. So hatte ich zum Beispiel auch unser DFB-Pokal-Spiel auf Schalke gegen den FC Bayern München verletzungsbedingt verpasst." Dass die Zeit im professionellen Fußball nicht länger andauerte, bedauert Bulut Aksoy nicht. “Ich bin nicht der Typ Mensch, der zurückschaut und darüber nachdenkt, was hätte sein können. Ich freue mich stattdessen, dass ich diese Momente überhaupt erleben durfte.”

Dazu zählt auch ein Highlight im Nachwuchsbereich: Als Talent von Borussia Mönchengladbach absolvierte Bulut Aksoy 2005 gegen Dänemark ein Junioren-Länderspiel für die deutsche U 18-Nationalmannschaft. "Bei Spielern wie Kevin-Prince und Jerome Boateng oder auch Sami Khedira in meiner Altersklasse im Aufgebot von Horst Hrubesch dabei gewesen zu sein, bleibt unvergesslich." Einer Nominierung für Partien gegen China und Frankreich machten auch hier Verletzungen einen Strich durch die Rechnung.

Bei der zweiten Mannschaft des FSV Duisburg, die von seinem Onkel Nihat Aksoy trainiert wird, steht für den Angreifer längst der "Spaß mit den Jungs" im Vordergrund. Dabei spielt er auch mit seinem jüngeren Bruder Bünyamin Aksoy (36) zusammen, der unter anderem auf Viertliga-Einsätze für Borussia Mönchengladbach II und den FC Oberneuland zurückblicken kann und für die türkische U 18-Nationalmannschaft am Ball war.

Am 10. Spieltag erlebten Bulut Aksoy und seine Teamkollegen beim 19:6 gegen das 9er-Team des VfB Obermarxloh eine Premiere. "Ich hatte zuvor noch nie gegen ein 9er-Team gespielt und mich daher beim Staffelleiter erkundet, wie der Ablauf ist", berichtet der Torjäger. “Beim Positionsspiel mussten wir uns dann erstmal daran gewöhnen, mit zwei Spielern weniger auszukommen.”

In die laufende Spielzeit war die zweite Mannschaft des FSV Duisburg zunächst "ohne konkretes Ziel gestartet. Es wäre aber unbeschreiblich, noch einmal mit den Jungs einen Aufstieg feiern zu können". Bei derzeit Rang drei und nur drei Punkten Rückstand auf die Spitze sowie mit Bulut Aksoy als derzeit Führendem der Torjägerkanone für alle scheinen die Voraussetzungen dafür nicht die schlechtesten zu sein.

"Auch am Saisonende ganz vorne zu stehen, wäre eine tolle Sache. Vielleicht ist sogar auch eine dreistellige Anzahl an Treffern möglich", meint Bulut Aksoy. "Wichtiger als meine Torausbeute ist aber das Teamgefüge. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich ganz klar den Aufstieg nehmen."

 


Dieser Text ist zuerst am 19. Januar auf FUSSBALL.DE erschienen.