Oberliga

SpVg Schonnebeck-Torjäger Niko Bosnjak im Interview: Weniger Kilos - mehr Treffer

In der aktuellen Saison erzielte der gebürtige Essener und Oberliga-Torschützenkönig der Vorsaison bereits zwölf Tore in sechs Spielen.
22. September 2026 Herrenfußball | GlobalText: Peter Haidinger/MSPW
SpVg Schonnebeck-Torjäger Niko Bosnjak im Interview: Weniger Kilos - mehr Treffer
Bildquelle: SpVg Schonnebeck
Niko Bosnjak führt sowohl die Torjägerliste der Oberliga Niederrhein als auch das Ranking der "Torjägerkanone für alle" in der 5. Liga an.

Angreifer Niko Bosnjak traf für die SpVg Schonnebeck in der Oberliga Niederrhein in nur sechs Partien schon zwölfmal und führt damit die Torjägerkanone für alle in der 5. Liga an. So gut startete der gebürtige Essener noch nie in eine Saison. Im Interview spricht der 24-Jährige, der eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert, über die Saisonziele und seine fußballverrückte Familie.

Mit zwölf Treffern nach nur sechs Partien führen Sie die bundesweite Wertung zur Torjägerkanone für alle in der 5. Liga an. Mal ehrlich: Wie sehr überrascht Sie das, Herr Bosnjak?

Niko Bosnjak: Ich bin dankbar, dass es so gut läuft. Überrascht bin ich aber nicht, weil ich in der Vorbereitung einiges dafür getan habe und jetzt die Früchte meiner Arbeit ernte.

In der abgelaufenen Saison wurden Sie bereits mit 27 Treffern Torschützenkönig der Oberliga Niederrhein. In welchen Bereichen haben Sie noch an sich gearbeitet?

Bosnjak: Ich habe mein Augenmerk weniger auf Krafttraining, sondern mehr auf Intervall-Läufe gelegt. Das Ganze passierte in Absprache mit meinen Trainern. Außerdem habe ich komplett meine Ernährung umgestellt, bringe jetzt sechs Kilogramm weniger auf die Waage. Ich fühle mich jetzt sehr viel wohler und habe läuferisch zugelegt.

Wie viele Tore haben Sie sich für diese Spielzeit vorgenommen?

Bosnjak: Ich würde mich freuen, wenn ich meine Bestmarke aus der zurückliegenden Saison übertreffen könnte. 30 Treffer traue ich mir zu. Alles, was darüber hinaus geht, wären Bonus-Tore. (lacht)

Was würde Ihnen der Gewinn der Torjägerkanone bedeuten?

Bosnjak: Ganz ehrlich: Daran denke ich aktuell überhaupt nicht. Dennoch ist jeder Sportler stolz, wenn er persönlich geehrt und ausgezeichnet wird. Sollte es so kommen, würde ich mich extrem darüber freuen.

Wo liegen Ihre Stärken und in welchen Bereichen müssen Sie sich noch verbessern?

Bosnjak: Ich würde mich als Straßenfußballer bezeichnen, bin technisch gut und gehe aus Eins-gegen-Eins-Situationen oft als Sieger hervor. Ich habe allerdings einen schwachen rechten Fuß. Nach dem Training lege ich deshalb mit unserem Co-Trainer Extraeinheiten ein, um mich auch in diesem Bereich zu verbessern.

Mit der SpVg Schonnebeck führen Sie aktuell die Tabelle in der Oberliga Niederrhein an. Können Sie sich noch an die jüngste Niederlage der "Schwalben" erinnern?

Bosnjak: Wir sind saisonübergreifend seit 14 Spielen unbesiegt, haben zuletzt im April beim VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler 0:1 verloren. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich in diesem Spiel gleich drei sehr gute Torchancen liegengelassen habe. (lacht)

In der vergangenen Saison erzielte Niko Bosnjak 27 Treffer für die “Schwalben” aus Schonnebeck. Foto: SpVg Schonnebeck

Ihr Team erzielt in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse im Schnitt pro Spiel 4,2 Tore. Was zeichnet die Mannschaft vor allem aus?

Bosnjak: Wir sind eine sehr ehrgeizige und hungrige Truppe, die attraktiven Offensivfußball spielt. Die Zugänge haben sich super integriert. Die meisten Spieler verfügen bereits über größere Erfahrung in der Oberliga und wissen daher, worauf es ankommt. Jeder im Kader zieht mit und hat Bock auf Erfolg. Wir haben eine echt starke Gemeinschaft, die bereits in der Vorbereitung während des Kurztrainingslager sehr schnell zusammengewachsen ist.

Die SpVg Schonnebeck spielt seit vier Jahren immer wieder um den Aufstieg mit. Warum wird man den Verein im nächsten Jahr in der Regionalliga West sehen?

Bosnjak: Ich bin weit davon entfernt, uns als sicheren Aufsteiger zu betiteln. Wenn ich als gebürtiger Essener mit der SpVg Schonnebeck in die Regionalliga aufsteigen sollte, würde aber definitiv ein Traum in Erfüllung gehen. Generell sind wir nur sehr schwer zu besiegen. Wir verteidigen als Kollektiv und spielen mit dem Ball auch starken Fußball.

Die früheren Schonnebecker Angreifer Arne Wessels und Conor Tönnies spielen jetzt für die U 23-Teams von Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf. Haben Sie einen ähnlichen Karriereplan in der Schublade?

Bosnjak: Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Meine Ausbildung zum Industriekaufmann, die ich im nächsten Jahr erfolgreich abschließen möchte, hat momentan absolute Priorität. Grundsätzlich habe ich aber schon das Ziel, noch ein oder zwei Ligen höher zu spielen, weil ich mir das definitiv zutraue.

Mit Ihrem älteren Bruder Luka haben Sie in der Saison 2021/2022 beim FC Kray und anschließend auch beim TuS Bövinghausen zusammengespielt. Wer ist der bessere Fußballer?

Bosnjak: Luka ist fünf Jahre älter, war von Anfang an mein Vorbild und hat mir alle Tricks beigebracht. Luka und mein Vater Mladen sind meine Mentoren.

Wie können Sie am besten vom Fußball abschalten?

Bosnjak: Überhaupt nicht. (lacht) Wir sind eine total fußballverrückte Familie. Zu Hause reden wir nur über Fußball. Wenn wir nicht selbst auf dem Platz stehen, gucken wir uns Amateurspiele an oder gehen gemeinsam ins Stadion.

Sie haben Ihren Geburtsort erwähnt: Gibt es für Sie eine besondere Verbindung zu Rot-Weiss Essen?

Bosnjak: Ich hatte in meiner Jugend selbst von der U 9 bis zur U 14 für Rot-Weiss Essen gespielt. Damals habe ich mich allerdings zu sehr auf mein Talent verlassen und war teilweise einfach zu bequem und nicht konsequent genug, was sich irgendwann negativ auf meine Entwicklung ausgewirkt hat. Danach hatte ich mich fußballerisch ein wenig gehen lassen und stattdessen unter anderem sehr gerne die Spiele meines Bruders verfolgt. Die Verbindung zu RWE ist aber geblieben. Wenn es die Zeit zulässt, schaue ich mir so viele Partien wie möglich im Stadion an.

Was hat den Ausschlag dafür gegeben, wieder größeren Ehrgeiz zu entwickeln?

Bosnjak: Als ich in der A-Jugend für Schonnebeck gespielt hatte, tauchten bei der ersten Mannschaft personelle Probleme auf. Deshalb durfte ich mich dort zeigen. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit meinem Bruder und den Jungs auf dem Platz zu stehen. Während der Corona-Zeit bin ich dann jeden Tag laufen gegangen, um mich an das Tempo zu gewöhnen und auf den gleichen Fitnesszustand wie meine Mitspieler zu kommen. Mein Trainer Dirk Tönnies, der schon viele Jahre bei der SpVg Schonnebeck tätig ist, hat mein Talent sofort erkannt und mich immer gefördert. Das zahlt sich jetzt aus.

Sie haben in der Oberliga-Niederrhein in 114 Spielen insgesamt 72 Tore erzielt. Was war Ihr bisheriges Karriere-Highlight?

Bosnjak: Tatsächlich liegt das noch gar nicht so lange zurück. Am 3. Spieltag dieser Saison hatten wir das Spitzenspiel bei der SSVg Velbert 5:3 gewonnen. Meine gesamte Familie war im Stadion und mit sind drei Tore gelungen.

 


Dieser Text erschien zuerst am 17. September auf FUSSBALL.DE.