Welcher Anhänger des Traditionsklubs MSV Duisburg, der in der 3. Liga als Aufsteiger auf Relegationsrang drei in die Rückrunde startet, würde nicht gerne selbst einmal das Trikot mit den markanten Zebrastreifen tragen? Jetzt gibt es die Gelegenheit dazu, denn die zweite Mannschaft des langjährigen Bundesligisten benötigt für die zweite Halbserie in der Kreisliga C, Gruppe 2, des Fußballkreises Duisburg/Mülheim/Dinslaken Verstärkung.
"Aus verschiedenen Gründen haben uns während der Winterpause zehn Spieler unseres bisherigen Kaders verlassen", berichtet André Stülp aus der Abteilungsleitung der "MSV-Amas", wie das Team liebevoll genannt wird, im Gespräch mit FUSSBALL.DE. “Deshalb haben wir einen Aufruf über die Homepage des Klubs gestartet, um neue Kicker für unseren Kader zu gewinnen. Die Resonanz war sehr positiv.”
Rund 70 Interessenten bewarben sich bereits um ein Probetraining. 20 Kandidaten wurden zunächst eingeladen und dürfen sich nun nach und nach im normalen Mannschaftstraining unter der Regie der beiden neuen Trainer Sebastian Walther und Ruben Heymann vorstellen. Die erste Einheit mit sechs Kandidaten hat bereits stattgefunden, weitere werden folgen. Im besten Fall wird schon der eine oder andere Zugang beim Rückrundenstart des Tabellensiebten am Sonntag, 25. Januar (ab 16.15 Uhr), gegen den Duisburger FV 08 III für die "Zebras" auflaufen.
Nachdem der Klub im Jahr 2016 seine damals in der Oberliga Niederrhein aktive U 23-Mannschaft vor allem aus wirtschaftlichen Gründen vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, wurden die MSV-Amateure im Herbst 2022 als Fanmannschaft aus der Taufe gehoben und gingen zur Saison 2023/2024 erstmals in der 10. Liga an den Start. Zwar nicht mit dem Ziel, unbedingt aufsteigen zu müssen, allerdings schon ambitioniert, um den Verein auch auf der untersten Amateurfußballbühne möglichst gut zu vertreten.
Gleich in der ersten Spielzeit sprang Rang drei heraus, der mögliche Aufstieg wurde nur knapp verpasst. "Das war sehr schade, denn damals lief es richtig gut", sagt der 42 Jahre alte Architekt André Stülp, der sich allerdings weniger um sportliche Fragen kümmert, sondern mehr um alle administrativen Aufgaben rund um das Team und die Abteilung, die sich selbst organisiert und allein durch Mitgliedsbeiträge sowie Sponsoren und Spenden finanziert.
Die folgende Saison 2024/2025 endete auf dem sechsten Tabellenplatz, in diesen Regionen finden sich die "MSV-Amas" auch aktuell wieder. Der Rückstand auf Spitzenreiter und Lokalrivale ESV Grün-Weiß Roland Meiderich beträgt bereits 19 Zähler.
Um trotz der jüngsten Abgänge weiterhin eine möglichst gute Rolle in der Liga spielen zu können, riefen die "Zebras" ihre Fans dazu auf, sich um einen Platz im Kader zu bewerben. "Jeder, der unser Wappen mit Stolz auf der Brust trägt und vielleicht nicht nur auf den Rängen der Arena, sondern auch auf Rasen und Asche alles für den Spielverein geben will, ist herzlich willkommen", beschrieb Daniel Rasche, André Stülps Kollege aus der Abteilungsleitung, die Tugenden, die die neuen Spieler mitbringen sollen. Trainer Sebastian Walther ergänzte mit einem Augenzwinkern: “Ein wenig fußballerisches Geschick wäre auch nicht ganz verkehrt.”
Gesucht wird auf sämtlichen Positionen, wobei es vor allem im Tor aktuell noch einen größeren personellen Engpass gibt, so dass die Verantwortlichen hoffen, gerade für die Position zwischen den Pfosten möglichst bald die eine oder andere Alternative in den Kader aufnehmen zu können.
Nachdem die MSV-Amateure ihre Heimspiele in der Anfangszeit auf der Anlage des MTV Union Hamborn ausgetragen hatten, ist das Team inzwischen - genau wie die Profis und das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) - inzwischen ebenfalls auf dem Vereinsgelände an der Westender Straße in Duisburg-Meiderich beheimatet. Dort wird zweimal pro Woche auf dem Kunstrasenplatz trainiert, auch die Heimspiele am Wochenende finden dort statt.
Was die Altersstruktur des Aufgebots angeht, ist von einigen 18 oder 19 Jahre "jungen Wilden" bis zu Routiniers von Mitte bis Ende 30 alles dabei. Zu den "Oldies" gehört beispielsweise der defensive Mittelfeldspieler Thomas Zelles (39), der einst für Ratingen 04/19 und den VfL Rhede in der Oberliga Niederrhein am Ball war und jetzt seit der Gründung der zweiten Mannschaft bei den "Zebras" mitmischt.
Gezahlt wird für das Engagement bei den MSV-Amateuren "nix", wie es der Verein auf seiner Internetseite schreibt. Oder wie es Daniel Rasche mit Blick auf das Gründungsjahr des Vereins formuliert: "Wir spielen mit und für 1902-prozentige Leidenschaft."
Dieser Text ist zuerst am 17. Januar auf FUSSBALL.DE erschienen.
