Kreisliga/Torjägerkanone für alle

Torjäger Bulut Aksoy vom FSV Duisburg II: Der Zlatan Ibrahimovic der Kreisliga C

Im Interview spricht der 38-Jährige über seinen ersten Platz bei der „Torjägerkanone für alle“ und die Ziele für die kommende Saison.
27. Juli 2026 Herrenfußball | GlobalText: Peter Haidinger/MSPW
Torjäger Bulut Aksoy vom FSV Duisburg II: Der Zlatan Ibrahimovic der Kreisliga C
Bildquelle: Privat/Aytekin Aripek/FSV Duisburg/Collage: FVN

Mit 118 Treffern in der Gruppe 3 der Kreisliga C im FVN-Fußballkreis Duisburg/Mülheim/Dinslaken 2025/2026 holte sich Bulut Aksoy vom FSV Duisburg II die Torjägerkanone für alle in der 10. Liga. Gleichzeitig war seine Mannschaft mit insgesamt 255 Treffern auch das torgefährlichste Herrenteam im deutschen Amateurfußball. Und das, obwohl in der Liga nur Platz drei hinter den Sportfreunden Walsum III und TuRa 88 Duisburg III heraussprang.

Im Interview spricht der 38-Jährige, der beruflich in der Brand- und Wasserschadensanierung tätig ist, über Giovane Elber, Horst Hrubesch und seinen Vergleich mit Zlatan Ibrahimovic.
 



Sie haben sich mit 118 Treffern die bundesweite Torjägerkanone für alle gesichert. Wie überraschend kam das für Sie, Herr Aksoy?

Bulut Aksoy: Beim Saisonstart hatte ich niemals über solche Zahlen nachgedacht. Ich hatte mir lediglich 40 bis 50 Treffer zugetraut. Dreistellig zu treffen, ist schon eine Hausnummer, auch wenn es nur die Kreisliga C ist.

Ab welchen Zeitpunkt hatten Sie über 100 Treffer nachgedacht?

Aksoy: Ich hatte bereits im November an der 50-Tore-Marke gekratzt. Danach hat mein bester Kumpel Haluk Türkeri, der in der Vorsaison noch bei uns in der ersten Mannschaft gespielt hatte und früher in der A-Jugend mit 33 Toren für den VfL Bochum lange Zeit Rekordtorschütze im Nachwuchsbereich war, die Latte für mich noch etwas höher gelegt.

Was meinen Sie genau damit?

Aksoy: Haluk sagte zu mir, dass ich mir die 100 Tore durchaus zutrauen sollte. Erst danach hat es bei mir im Kopf klick gemacht. In der kommenden Saison will Haluk zu uns wechseln, dann gehen wir erstmals gemeinsam auf Torejagd. Ich bin sehr gespannt, wie die Gegner reagieren, wenn die geballte Fußballpower auf sie zukommt. (lacht)

Sie sind 1,90 Meter groß und erzielen Tore wie am Fließband. Was sind Ihre ganz besonderen Stärken?

Aksoy: Grundsätzlich rede ich nicht gerne über meine Stärken, aber für meine Körpergröße habe ich eine überragende Technik. Ich werde in der Kreisliga C wegen meiner Spielweise von den Kollegen oft mit Zlatan Ibrahimovic verglichen. Ich bin auf dem Platz kein Egoist, sehe den besser postierten Mitspieler und lege auch gerne auf. Früher war ich in jeder Mannschaft immer der schnellste Spieler. Auch mit 38 Jahren bin ich noch ganz gut unterwegs. (lacht)

Ihr Team hat mit 255 Saisontreffern auch bundesweit die meisten Tore erzielt. Warum hat es dennoch nicht mit dem Aufstieg geklappt?

Aksoy: Wir sind offensiv extrem stark, defensiv aber nicht ganz so gut. Insgesamt stimmte es nicht mit der Rückwärtsbewegung. Jeder wollte sich in den Angriff einschalten. Die Defensivarbeit, die weniger Spaß macht, wurde vernachlässigt. Auch deshalb haben wir beide Duelle mit dem späteren Aufsteiger Sportfreunde Walsum III verloren.

Bulut Aksoy im DFB-Outfit. Foto: Privat

Demnächst bekommen Sie im Rahmen eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft die Torjägerkanone überreicht. Wie groß ist die Vorfreude?

Aksoy: Ich fiebere diesem Event in der Münchner Allianz Arena mit dem Länderspiel gegen Serbien bereits entgegen. Ich bin großer Bayern-Fan und würde mich natürlich auch über ein Treffen mit dem künftigen Bundestrainer Jürgen Klopp sehr freuen. Als ich in der Jugend für Borussia Mönchengladbach gespielt hatte, war Max Eberl, der jetzt Sportvorstand beim FC Bayern ist, Jugendkoordinator bei den "Fohlen". Vielleicht begegnen wir uns in München, das wäre super. Für mich ist die Einladung zum Länderspiel eine große Ehre.

Sie galten in der Jugend als vielversprechendes Talent. Warum hat es mit der erhofften Profikarriere nicht geklappt?

Aksoy: Ex-Nationalspieler Wolfgang Dremmler, der damals Chefscout beim FC Bayern war, wollte mich als U 19-Spieler von Borussia Mönchengladbach nach München holen. Ich war mit meiner Familie drei Tage in der bayerischen Landeshauptstadt, durfte in der Kabine Giovane Elber, Oliver Kahn und Hassan Salihamidzic kennenlernen. Ich habe nach Absprache mit meiner Familie den Schritt nicht gewagt, weil ich bei Borussia als U-Nationalspieler bereits ein großes Standing hatte und München weit weg war. Insgesamt haben mich später Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Ich konnte in der entscheidenden Phase meiner Karriere keine komplette Saison durchspielen.

Was war das absolute Highlight Ihrer Karriere?

Aksoy: Mit der deutschen U 18-Nationalmannschaft habe ich ein Länderspiel gegen Dänemark absolviert. Zusammen mit Kevin-Prince und Jerome Boateng oder auch Sami Khedira im Aufgebot von Trainer Horst Hrubesch dabei gewesen zu sein, bleibt unvergesslich. Horst Hrubesch war für mich wie eine Vaterfigur, hat mich durch seine Art unglaublich gepusht.

Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die neue Saison?

Aksoy: Ich würde mich beim FSV Duisburg gerne mit einem Aufstieg verabschieden. Seit eineinhalb Jahren spiele ich auch Tennis beim TC Neumühl und möchte mich nach meiner Fußballerkarriere darauf konzentrieren.


 


Dieser Text erschien zuerst am 22. Juli auf FUSSBALL.DE.