Im Alter von 43 Jahren mischt Abdou-Nassirou Ouro-Akpo vom Post SV Oberhausen noch die 9. Liga auf, traf in der Kreisliga B in 25 Partien 62-mal. Seine beste Zeit erlebte der Ex-Nationalspieler von Togo bei Rot-Weiß Oberhausen in der 2. Bundesliga. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der Routinier, der als LKW-Fahrer im Containerdienst tätig ist, über Länderspiele und die Liebe zum Amateurfußball.
FUSSBALL.DE: Als ehemaliger Profi von Rot-Weiß Oberhausen gehen Sie jetzt im hohen Fußballeralter von 43 Jahren in der Kreisliga B für Post SV Oberhausen auf Torejagd. Was macht für Sie den Reiz des Amateurfußballs aus?
Abdou-Nassirou Ouro-Akpo: Es macht mir einfach immer noch großen Spaß, Fußball zu spielen. Um fit zu bleiben, muss ich nicht unbedingt ins Fitnessstudio gehen, sondern kicke lieber mit meinen Freunden.
Sie sind mit 43 Jahren körperlich topfit. Warum können Sie mit den "jungen Wilden" noch so gut mithalten?
Ouro-Akpo: Ich habe immer auf meinen Körper geachtet und mich gesund ernährt. Nach der Arbeit fahre sofort nach Hause und mache ein wenig Krafttraining und Liegestützen. Erst danach gehe ich duschen, verzichte auf Waldläufe.
Mussten Sie sich von Ihren Teamkollegen wegen Ihres Alters bereits einige Sprüche in der Kabine anhören?
Ouro-Akpo: Meine Mitspieler sind alle sehr nett zu mir. Klar muss ich mir in meinem Alter Sprüche anhören. Wenn ich die Kabine betreten, werde ich mit "Opa" begrüßt und auch auf dem Platz höre das manchmal. (lacht) Im Amateurbereich geht es familiär zu, was mir sehr gut gefällt.
Wie lange werden Sie noch dem Ball hinterherjagen?
Ouro-Akpo: Ich spiele so lange, bis nicht mehr geht. Solange ich gesund bleibe, denke ich überhaupt nicht daran aufzuhören.
Bekommen Sie bei Ihrer Torgefährlichkeit noch Angebote von höherklassigen Vereinen?
Ouro-Akpo: Tatsächlich haben einige A-Ligisten bei mir angefragt. Aufgrund meiner Fitness traue ich mir sogar noch die Bezirksliga zu.
Wie sehr macht sich Ihr Alter nach den Spielen bei Ihnen bemerkbar? Benötigen Sie mehr Zeit zur Regeneration?
Ouro-Akpo: Vor Jahren hatte ich nach den Spielen immer extreme Rückenschmerzen. Aus diesem Grund bin ich von der Oberliga in die untersten Amateurligen gewechselt. Dafür zwickt jetzt manchmal das Knie oder ich muss mich mit muskulären Problemen herumschlagen. Nach maximal zwei Tagen ist aber wieder alles in Ordnung.
Sie liegen mit Ihrem Team mit drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer DJK Adler Oberhausen auf Rang drei in Lauerstellung. Was ist für Post SV Oberhausen in dieser Saison noch möglich?
Ouro-Akpo: DJK Adler Oberhausen hat ein Spiel mehr absolviert und liegt drei Punkte vor uns. Wenn wir unser Nachholspiel gewinnen, bin ich mir sicher, dass wir sie noch überholen und in die Kreisliga A aufsteigen. Wir haben das Hinspiel am "Grünen Tisch" 0:2 verloren, weil wir einen nicht spielberechtigen Spieler eingesetzt hatten. Im Rückspiel konnten wir uns 4:1 bei DJK durchsetzen. Bei Punktgleichheit entscheidet nicht das Torverhältnis über den Aufstieg, sondern der direkte Vergleich.
Sie haben in Ihrer Laufbahn viele Tore erzielt. Was würde Ihnen ein Gewinn der Torjägerkanone für alle bedeuten?
Ouro-Akpo: Wenn ich im Herbst meiner Karriere diese Trophäe gewinnen würde, wäre das großartig und ich würde mich riesig darüber freuen.
Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie am Ende der Saison vor Batuhan Evren landen, der in Hamburg für Hellbrock ebenfalls 62 Treffer erzielt hat?
Ouro-Akpo: Mein direkter Konkurrent spielt in einer 13er Liga, hat bis zum Saisonende nicht mehr ganz so viele Spiele. Ich werde alles versuchen.
Sie haben vor mehr als 20 Jahren insgesamt zehn Länderspiele für Togo absolviert. Wie gerne denken Sie an diese Zeit zurück und was war Ihr persönliches Highlight?
Ouro-Akpo: Länderspiele sind etwas ganz Besonderes. Das gesamte Land schaut zu und als die Nationalhymne ertönte, habe ich mich wie der Präsident von Togo gefühlt. Mein persönliches Highlight fand bei Rot-Weiß Oberhausen statt. Vor dem Spiel gegen den VfL Osnabrück meinte ein Sponsor: Wenn ich zwei Tore schieße, dürfte ich sein Auto fahren. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht, zweimal getroffen und durfte das Auto bis zum Saisonende behalten.
Dieser Text ist zuerst am 3. Mai 2026 auf FUSSBALL.DE erschienen.
