Der SC St. Tönis aus der Oberliga Niederrhein bestreitet am Freitag, 21. August, (ab 18 Uhr, live bei Sky) das erste DFB-Pokal-Spiel seiner Vereinsgeschichte. In der Krefelder Grotenburg geht es gegen den Bundesligisten Eintracht Frankfurt.
Im Interview spricht Außenbahnspieler Lenni Castrop (19), jüngerer Bruder von Gladbach-Profi und Südkorea-Nationalspieler Jens Castrop (23), über die Euphorie im Verein und ein mögliches Duell mit Frankfurts Jean-Mattéo Bahoya.
Wie sehr fiebern Sie und Ihr Team bereits dem DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt entgegen, Herr Castrop?
Lenni Castrop: Wir alle sind sehr gespannt, die Vorfreude ist bei uns riesengroß. Die Mannschaft ist topfit und wir fühlen uns bereit. In meiner ersten Saison im Herrenbereich bei einer solchen Partie dabei zu sein, ist genial. Ich kann es kaum abwarten, bis der Anpfiff ertönt.
Mal ehrlich: Wie schätzen Sie die Chancen auf ein Weiterkommen ein?
Castrop: Wir gehen logischerweise nicht als Favorit in die Partie, können aber eine wichtige Erfahrung für unser Leben machen. Grundsätzlich ist in einem K.o.-Spiel immer alles möglich.
Welchen Spielverlauf wünschen Sie sich für das Pokalspiel?
Castrop: Wenn wir es schaffen, lange Zeit ohne Gegentor zu bleiben, dann könnten die Frankfurter ins Grübeln kommen. Ich bin Optimist, glaube an eine mögliche Überraschung.
Für den SC St. Tönis 11/20 ist es der erste Auftritt überhaupt im DFB-Pokal. Wie sehr macht sich die Anspannung auch im Umfeld bemerkbar?
Castrop: Je näher wir diesem sportlichen Highlight kommen, umso mehr Ticketnachfragen muss ich beantworten. Die Euphorie im Verein ist riesengroß.
Im Endspiel um den Niederrheinpokal beim Drittligisten MSV Duisburg hatte der SC St. Tönis bereits vor fast 19.000 Zuschauer/innen gespielt. Das war schon mal eine gute Vorbereitung für das Team, oder?
Castrop: Das stimmt. Sehr gerne hätte ich dabei auch schon mitgespielt. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings noch U 19-Spieler und hatte außerdem mit einer Verletzung am Sprunggelenk zu kämpfen. Im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt anzutreten, ist für mich persönlich aber auf jeden Fall noch mal eine Nummer größer.

Ihr älterer Bruder Jens steht im Profikader bei Borussia Mönchengladbach und ist Nationalspieler von Südkorea. Welche Ratschläge hat er Ihnen mit auf dem Weg gegeben?
Castrop: Auch Jens hat mir geraten, dass ich frei und ohne Druck in die Partie gehen soll. Ich hoffe, dass mir mein Bruder in den nächsten Wochen mal wieder bei einem Spiel zuschauen kann.
Mit 19 Jahren stehen Ihnen noch alle Türen offen. Wie gerne würden Sie mit Ihrem Bruder in einem Team spielen?
Castrop: Das wäre ein Traum. Es gibt wenige Dinge, die ich lieber machen würde. (lacht) Ich backe aber lieber kleine Brötchen, möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Was nehmen Sie sich vor?
Castrop: Ich will beim SC St. Tönis möglichst Stammspieler werden und verletzungsfrei bleiben. Was die Zukunft angeht, will ich mich aber nicht unnötig unter Druck setzen, sondern setze mir realistische Ziele.
Die Partie gegen Frankfurt wird im Grotenburg-Stadion ausgetragen, der Spielstätte des Nachbarn und Ligakonkurrenten KFC Uerdingen 05. Könnte das ein Vorteil sein?
Castrop: Ich weiß, dass in der Krefelder Grotenburg schon Fußballwunder passiert sind. Ich traue unserer Mannschaft einiges zu und hoffe, dass wir auch mit dem SC St. Tönis 11/20 etwas Historisches schaffen.
Was erwarten Sie gegen die Eintracht?
Castrop: Ich bin rechter Außenbahnspieler, werde es bestimmt mit Jean-Mattéo Bahoya zu tun bekommen. Er ist unglaublich schnell. Deshalb darf ich mich nicht überlaufen lassen.
Bitte vervollständigen Sie: Wenn wir Eintracht Frankfurt ausschalten, dann…
Castrop: ... brennt in St. Tönis der Baum und wir würden deutschlandweit in den Mittelpunkt rücken. (lacht)
Dieser Text erschien zuerst am 15. August auf FUSSBALL.DE.
