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Verwechslungsgefahr in Velbert: Künftig drei Oberligisten

82.000 Einwohner-Stadt stellt das Trio SSVg, SC und TVD in der fünften Liga - warum ist das so?

12.07.2019
Die Logos der drei Velberter Oberligisten.
Die Logos der drei Velberter Oberligisten. - Foto: Collage: FVN

Vielfältige Velberter Verwechslungsgefahr in der Oberliga Niederrhein: Nicht weniger als drei Vereine aus der 82.000 Einwohner-Stadt Velbert werden in der kommenden Saison 2019/2020 in der fünften Klasse um Punkte kämpfen. Das gab es noch nie!

„Platzhirsch“ ist dabei die SSVg (Sport- und Spielvereinigung) Velbert, die sogar schon einige Jahre in der Regionalliga gespielt hat und in der vergangenen Saison Rang fünf erreichte. Sie muss sich im Kampf um die „Stadtmeisterschaft“ gegen die beiden Emporkömmlinge SC (Sportclub) Velbert und TVD (Turnverein Dalbecksbaum) Velbert behaupten. Während der SCV in der vergangenen Saison den Klassenverbleib in der Oberliga Niederrhein perfekt gemacht hat, steht der TVD nach zwei Aufstiegen hintereinander vor seiner Premieren-Spielzeit in der fünften Klasse.

Gleich zum Auftakt kommt es zum ersten von insgesamt sechs Velberter Derbys. Die SSVg Velbert empfängt am Sonntag, 11. August, 15 Uhr, den SC Velbert.

Die Stadt Velbert im Bergischen ist umgeben von wesentlich größeren Städten wie der Landeshauptstadt Düsseldorf (612.000), Essen (rund 580.000 Einwohner) und Wuppertal (350.000). Essen wird in der Oberliga Niederrhein ebenfalls mit drei Vereinen (ETB Schwarz-Weiß Essen, SpVg Schonnebeck und Aufsteiger FC Kray) vertreten sein, Düsseldorf (TuRU Düsseldorf) und Wuppertal (Neuling Cronenberger SC) mit jeweils einem. Wie hat es das verhältnismäßig kleine Velbert geschafft, künftig ein Oberliga-Trio aufbieten zu können? „Für die Stadt ist es das in jedem Fall eine grandiose Geschichte“, sagt der langjährige SSVg-Vorsitzende Oliver Kuhn. „Ich denke, dass sich das ohne den einen bestimmen Grund so ergeben hat. Mal sehen, wie lange diese - für Velbert ohne Zweifel besondere - Konstellation bestehen bleibt.“

Oliver Kuhn hätte nichts dagegen, wenn sich zumindest die SSVg möglichst bald aus der Oberliga verabschiedet. „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir Ambitionen nach oben haben“, sagt der Funktionär, der sich der beiden Herausforderer aus unmittelbarer Nähe - alle drei Velberter Vereine sind fast fußläufig voneinander entfernt - durchaus bewusst ist. „Wettbewerb schärft die Sinne“, meint Kuhn. „Wir stellen uns dem innerstädtischen Wettkampf.“

Von der geographischen Nähe könnten alle drei Velberter Vereine laut Kuhn wirtschaftlich sogar profitieren. Schließlich gibt es in der bevorstehenden Saison insgesamt gleich sechs Derbys innerhalb der Stadtgrenzen. „Die Duelle mit der SC Velbert in der zurückliegenden Spielzeit waren Publikumsmagneten. Zu unserem Heimspiel hatten wir mehr als 2200 Zuschauer auf der Anlage“, sagt Kuhn. „Ich denke, dass wird in der nächsten Runde bei allen Velberter Vergleichen nicht anders sein.“

Die Fans der SSVg dürfen sich auf jede Menge Derbys freuen.
Die Fans der SSVg dürfen sich auf jede Menge Derbys freuen. - Foto: FVN

Während die SSVg. Velbert mit dem SC Velbert eine „gesunde Rivalität“ (Kuhn) verbindet, ist das Verhältnis zum frisch gebackenen Aufsteiger TVD Velbert enger. „Es besteht eine Kooperation zwischen beiden Klubs“, erklärt Kuhn.

Die Berührungspunkte zwischen den Velberter Vereinen sind vielfältig. Viele Spieler trugen schon das Trikot von mindestens zwei Klubs in der Stadt. Bei der TVD Velbert, die im Jahr 2020 ihr 150-jähriges Vereinsjubiläum feiert und die 2004 noch in der Kreisliga B an den Start ging, steht mit Hüzeyfe Dogan ein Ex-SSVg-Spieler an der Seitenlinie. Der 38-Jährige spielte in seiner Laufbahn unter anderem auch für Bayer 04 Leverkusen und den SC Paderborn sowie MKE Ankaragücü (Türkei). Er kann 62 Einsätze in der 2. Liga und elf Spiele in der türkischen Süper Lig (1. Liga) vorweisen.

Mit der TVD Velbert schaffte der ehemalige deutsche U-Nationalspieler Hüzeyfe Dogan, der von 2013 bis März 2018 für den Nachbarklub SSVg am Ball war, zwei Aufstiege in Serie. Kapitän Erhan Zent (29), Dogans verlängerter Arm auf dem Platz, hat - wie zum Beispiel auch der zweite Spielführer Jeffrey Tumanan - ebenfalls eine Vergangenheit bei der SSVg.

Das Gerüst der Aufstiegsmannschaft hat der TVD gehalten. Ein Dutzend Zugänge stehen zu Buche. Abteilungsleiter Werner Matyssek sieht seinen Klub im innerstädtischen Vergleich in der Außenseiterrolle. „Die SSVg und der SC sind uns sicher einige Längen voraus“, sagt der 62-Jährige, der seit mehr als 45 Jahren im Verein ist. „Wir hatten bis zur zurückliegenden Spielzeit noch nicht einmal Landesliga gespielt, jetzt sind wir Oberligist. Unser Ziel ist es, so früh wie möglich den Klassenverbleib zu sichern. Dabei freuen wir uns selbstverständlich auf die Nachbarschaftsduelle. Aber auch Vergleiche mit Teams wie ETB Schwarz-Weiß Essen haben enormen Reiz.“

Den erneuten Klassenverbleib in der zweiten Saison nach dem Aufstieg hat sich der SC Velbert auf die Fahnen geschrieben. Mit Platz elf hatte sich Trainer Ralf vom Dorp nach mehr als elf Jahren beim SCV verabschiedet. Er führte den Verein in seiner Amtszeit von der Bezirks- bis in die Oberliga.

Neuer Trainer beim SC Velbert ist nun Patrick Knieps, zuletzt für den SC Obersprockhövel tätig. Er wird von Andre Adomat unterstützt, der zuvor im Nachwuchsbereich des SC Velbert gearbeitet und während seiner aktiven Laufbahn auch schon für die SSVg Velbert aktiv war.

Das Präsidium geht die neue Saison realistisch an. „Wir sind mit Demut und Realismus in die erste Oberliga-Saison gegangen und haben uns für die tägliche Arbeit belohnt“, heißt es aus der Führungsetage um den Vorsitzenden Dirk Graedtke. „So wollen wir es auch in der kommenden Saison halten. Die Aufgabe wird in der neuen Saison nicht leichter. Wir bleiben finanziell gesehen ein Leichtgewicht der Liga. Außerdem gilt die zweite Saison allgemeinhin ja als die schwierigere Saison. Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr in der Oberliga mit vielen interessanten Paarungen und gleich zwei Derbys. Für die Stadt Velbert und die fußballbegeisterten Fans - egal welchen Lagers - ist das sicherlich ein Highlight und keine Selbstverständlichkeit.“

Text: Thomas Palapies-Ziehn

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