Siegen ohne Tore: Die Unicef-Kicker aus St. Hubert
Amateurfußball-Kongress des DFB
Der Countdown läuft. Am Donnerstag beginnt der Amateurfußball-Kongress des DFB in Kassel. Rund 300 Teilnehmer werden zu der dreitägigen Veranstaltung im Hotel „La Strada“ erwartet (23. bis 25. Februar). DFB.de stimmt mit täglichen Beiträgen auf den Kongress ein. Heute: Die Unicef-Kicker des FC St. Hubert und ihr einzigartiges Konzept.
St. Hubert ist ein winziger Klecks auf der deutschen Fußball-Landkarte. Stadtteil von Kempen, knapp 9000 Einwohner, in der Nähe von Krefeld und Duisburg. Zwei Vereine, in denen gekickt wird. Einer ist der FC St. Hubert. Er ist der Grund, warum dieser Klecks in Fußball-Deutschland besondere Strahlkraft hat. Selbst für Prominente wie Oliver Bierhoff oder Manuel Neuer ist St. Hubert ein Begriff.
„Bei uns“, sagt Jugendleiter Karl-Heinz Josten, „ist vieles wie in anderen Vereinen.“ Und manches ist anders. Ganz anders. Josten weiß das. Er ist von Anfang an dabei gewesen in diesem Verein, in dem ausschließlich Kinder und Jugendliche Fußball spielen, in dem von 110 Mitgliedern nur elf Erwachsene sind, in dem es weniger um Sport und Ergebnisse als um gesellschaftliches Engagement geht. Josten liebt das Projekt, er lebt es. Im Gespräch versucht der Rentner, sich immer wieder zu bremsen, will nicht aufdringlich und großspurig rüberkommen. Irgendwann aber sprudelt es aus ihm heraus. Zu viel Herzblut. Zu groß die Begeisterung und Freude an einem Klub, der seine größten Erfolge abseits des Spielfeldes feiert.
Angefangen hat die Geschichte Mitte der 80er Jahre. Die Trikotwerbung im Jugendfußball war gerade zugelassen worden. Die meisten Vereine wählten den normalen Weg, sprachen den Bäcker oder Metzger aus dem Ort an, auch mal eine größere Firma in der Nähe. Karl-Heinz Josten entschied sich anders. Der Funktionär fuhr zu Unicef Deutschland. „Ich dachte mir: Wenn es für Kinder ist, sollten auch Kinder dahinter stehen.“ Eine Idee war geboren.
Im Mittelpunkt steht der gute Zweck
Es entwickelte sich ein Konzept, in dem Tore keine Hauptrolle spielen. „40 Prozent ist der sportliche Bereich, die restlichen 60 Prozent sind außersportliche Aktivitäten“, erklärt Josten: „Wir wussten, dass wir uns sportlich nicht abheben können, sondern dass wir etwas anders machen müssen.“ Durch große Turniere. Durch konsequente Zusammenarbeit mit Grundschulen und Kindergärten. Durch Aktionen. Durch Vermittlung von Werten. Durch die Arbeit für den guten Zweck. Über 170.000 Euro hat St. Huberts Fußball-Jugend gespendet, den größten Teil an Unicef, den Rest an Einrichtungen wie die Deutsche Kinder-Krebs-Hilfe.
Es wäre gelogen, zu behaupten, dass alles auf Anhieb problemlos lief. In den ersten Tagen vor 26 Jahren wurden alle alten Trikots entsorgt. Die Mannschaften mussten neu eingekleidet und 25.000 Euro aufgetrieben werden. „Das war nicht so einfach“, erinnert sich Josten. Der Aufwand lohnte sich. Erster Höhepunkt: Zur Auftaktveranstaltung mit Unicef kam der damalige Bundesliga-Profi und südkoreanische Nationalspieler Bum-kun Cha. Das ZDF zeigte Interesse an der Story. „Wir wollten das gar nicht wahrhaben“, sagt Josten.
Heute sind sie in St. Hubert an große Namen und öffentliche Aufmerksamkeit gewöhnt. Die Kontakte des FC St. Hubert sind exzellent. Foto-Shootings und Aktionen mit Prominenz aus Politik und Sport sind für den Verein zum festen Bestandteil geworden. Erst kürzlich hatten die jungen Fußballer vom Niederrhein im Rahmen des Bundesliga-Spiels in Mönchengladbach einen Termin mit Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Am 26. März geht es in die Staatskanzlei nach Düsseldorf. Auch Einladungen vom FC Barcelona gab es schon, ebenso wie Treffen mit der deutschen Nationalmannschaft.
Vor über 15 Jahren wurden Josten & Co. zu Botschaftern von Unicef ernannt. Sie dürfen sich offiziell Unicef-Kicker nennen. Der FC St. Hubert schafft es, dass namhafte Partner wie McDonald’s seine Aktionen unterstützen. „Solche Firmen interessiert nicht, ob man 5:0 gegen den Nachbarverein gewinnt, sondern ob man ein interessantes Konzept hat“, verdeutlicht Josten. Da verwundert es, dass die Unicef-Kicker in Deutschland noch immer einzigartig sind. „Ich träume schon lange davon, dass auch andere etwas in der Richtung machen“, sagt Karl-Heinz Josten, „aber vielen Vereinen ist das Hemd näher als die Hose.“
Der Funktionär weiß, dass er nicht nur Freunde hat. Bei manchem Verein in der Umgebung wird der Rummel um den FC St. Hubert skeptisch beäugt. Schon 1990 hatte es Ärger gegeben. Damals gehörte die Jugendabteilung noch dem TuS St. Hubert an. Unstimmigkeiten führten zur Abspaltung und der Gründung des FC. „Wir haben Kontakt zu vielen Stars, das nervt einige Leute“, sagt Josten, „aber die meisten ziehen vor uns den Hut, weil wir etwas für Kinder machen.“
„Ohne dieses Konzept würde es uns nicht geben“
Die nächste Großveranstaltung wartet am ersten März-Wochenende, ein Turnier unter dem Motto „Der geschenkte Tag“. 48 Teams aus F-, E- und D-Jugend spielen mit, 300 wollten mitspielen. Im Juni folgt das Young Masters, das traditionelle Fußballturnier der Grundschulen mit mehr als 1600 Kindern. Und dann ist da noch der Bambini-Treff zu Gunsten krebskranker Kinder, ein Fußball-Fest ausschließlich mit Teilnehmern aus Kindergärten, zu dem vergangenes Jahr 4000 Menschen kamen.
Stellt sich die Frage: Wo bekommt der FC St. Hubert all seine Helfer her, um die Veranstaltungen zu stemmen. Karl-Heinz Josten erklärt es am Beispiel des Schulturniers: „Die Arbeit muss auf 150 bis 175 Leute verteilt werden. Je nach Zahl ihrer Teams muss jede Schule eine entsprechende Zahl von Helfern stellen. Wer das nicht tut, weiß, dass er das Turnier im kommenden Jahr vergessen kann.“
Die Kosten für die Veranstaltungen tragen die Sponsoren. Ein kleiner Teil der Gelder geht in die Kasse des Vereins, „so viel, damit wir leben können“, wie der Jugendleiter sagt. Startgelder wie bei „Der geschenkte Tag“ und Gewinne werden komplett gespendet.
Der FC St. Hubert. Ein Klecks auf der deutschen Fußball-Landkarte. Ein Verein, der mehr Preise als Mannschaften (8) hat. Zweimal gab es den DFB-Jugendförderpreis, einmal das Grüne Band. Besonders gern erinnert sich Karl-Heinz Josten an den Deutschen Sportjugendpreis 1987. Weil es die erste große Auszeichnung war und weil er sportartenübergreifend ausgeschrieben war.
Am wichtigsten aber bleiben die leuchtenden Kinderaugen. „Andere haben mehr Mitglieder, mehr Trainer, mehr Mannschaften, mehr sportlichen Erfolg“, sagt der 68-Jährige. „Ohne unser Konzept“, meint Josten, „würde es uns nicht geben.“
Der FC St. Hubert hat seinen eigenen Weg gefunden. Einen besonderen.
Quelle: dfb.de
>>Mehr zum Amateurfußballkongress auf dfb.de:
| Erwartungen | |
| Regionalverbände | |
| Mitglieder |



